»Vorhang auf für Cyrano« von Alexis Michalik

Das Leben ist ein Theater ist ein Film. Der Klassiker aller Theaterfilme ist Marcel Carnés »Les enfants du paradis«, ebenso klassisch und hochpolitisch dazu ist Ernst Lubitschs »To Be or Not To Be«. Den in Paris lebenden Alexis Michalik, Theaterschauspieler, Autor und Regisseur, inspirierte dagegen »Shakespaere in Love«, als er sich Frankreichs meistgespieltes Theaterstück vornahm und 2016 über dessen Entstehung ein turbulentes Theaterstück vorlegte. Das hat er jetzt auch selbst zu einem äußerst amüsanten Film verarbeitet.

Reine Fiktion ist es natürlich geworden, aber alles, was dazugehört, ist vorhanden in dieser unglaublich rasanten Komödie. Dem jungen, talentierten Bühnenautor Edmond Rostand (Thomas Solivérès) fehlt der Erfolg. Anfangs erleben wir, wie auch sein letztes Stück durchfällt. Da hilft ihm Constant Coquelin (Olivier Gourmet), ein eitler, schon etwas in die Jahre gekommener Theaterstar. Tatkräftig leitet er die Produktion eines neuen Stückes, das den ersehnten Erfolg bringen soll, in die Wege. Allerdings muss er mit den Geldgebern kämpfen, die auf einer einstigen Mätresse (Mathilde Seigner) von ihnen in der weiblichen Hauptrolle bestehen. Edmonds Problem: Premiere soll in drei Wochen sein, keine Zeile ist geschrieben, und der junge Autor wird von einer Schreibblockade geplagt. Noch dazu versucht er, von der feurigen Bewunderin Jaenne (Lucie Boujenah) unerkannt zu bleiben. Er ist schließlich ein treuer Familienvater mit eifersüchtiger Frau (Alice de Lencquesaint). Also hilft er dem Freund Léo Volny (Tom Leeb), Jeanne mit Briefen und heimlich vorgeflüsterten Reden, Jeanne zu erobern. Und so liefert ihm die Realität den Stoff für sein Stück!
Während der Proben, die auf einem Tag für Tag in letzter Minute hingeknallten Text fußen, verschärft sich die finanzielle Situation des Theaters, es droht die Schließung. Doch am Ende wird der Saal mit der Hilfe eines benachbarten Gastwirts und eines Bordells bis auf den letzten Platz gefüllt. Edmonds Stück ist ein Meisterwerk geworden, nach der pannenreichen Premiere ist das Publikum begeistert, und der Erfolg kann gefeiert werden.
Das Ganze spielt im Paris des Jahres 1897, also zu Zeiten der Belle Époque, was für den Film eine prächtige Ausstattung und glanzvolle Garderoben zur Folge hat. Paris ist noch unangefochten die schönste Stadt der Welt mit intakten Konventionen. Gegen diese hin und wieder zu verstoßen macht einen der Reize dieser Komödie aus.
Die größte Attraktion ist allerdings der Auftritt vonThomas Solivérès, der mit einer alles und alle überrollenden Selbstsicherheit durch den Film poltert, dass es eine Freude ist. Als Organisator lässt er, ohne zu zögern, auch mal fünfe gerade sein, als Bühnenfigur Cyrano spielt er den Held mit der großen Nase, der schon seit über hundert Jahren Mitleid erregt. Der Film zeigt auch tragische Stellen des Stücks, verlegt sogar eine Szene in den realen Kreuzgang eines Klosters und leistet sich damit einen Stilbruch. Doch den schuldet er gewissermaßen der großen Vorlage.
Zudem werden einige Berühmtheiten der damaligen Zeit dargestellt: Sarah Bernhardt taucht auf sowie der Komödienautor Georges Feydeau und sogar der Russe Anton Tschechov. Man bekommt Lust, sich mit dem damaligen Paris zu beschäftigen. Denn »Vorhang auf für Cyrano« huldigt nicht nur dem Theater, sondern auch der französischen Kulturgeschichte.

Claus Wecker
VORHANG AUF FÜR CYRANO (Edmond)
von Alexis Michalik, F/B 2018, 112 Min.
mit Thomas Solivérès, Olivier Gourmet, Mathilde Seigner, Tom Leeb, Alexis Michalik
Start: 21.03.2019

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