Volksbühne Frankfurt: Hennermanns Horde zeigt die Tanzperformance »Wonderland«

Abgeholt zu werden, das hat doch was. Gerade für Schüler. Und gerade, wenn es um eine so sperrige Sache wie Tanztheater geht. Die Choreografin Célestine Hennermanns und ihr Team Hennermanns Horde machen genau das. Mit ihrer Tanzperformance »Wonderland« holen sie Heranwachsende zwar nicht an der Haustür, aber bei den Themen ab, die sie im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn bewegen. Und in der Sprache, mit der sie das ausdrücken – verbal und körperlich.
Das Expertenwissen kommt dabei von den Jugendlichen selbst. Das in der Volksbühne vor seiner Frankfurter Premiere stehende Stück wurde in enger Zusammenarbeit mit Schülern und Schülerinnen der Wöhlerschule, der IGS Nordend und der Lycée Victor Hugo realisiert. Acht von ihnen werden sich mit Profis des urbanen und modernen Tanzes die Parkettbühne teilen, um ihren Wünschen, Gedanken, Fantasien und Utopien Ausdruck zu verleihen. Dabei zieht sich die immer wieder szenisch wie sprachlich aufblitzende Geschichte von Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« wie ein roter Faden durch die Performance. Schließlich will auch deren Protagonistin herausfinden, wer sie eigentlich ist, in welche Richtung sie gehen soll und wie die Welt ist, in der sie lebt.
Die gemeinsame Choreografie spricht denn auch erstmal die Jugendlichen an und dürfte so manchen Erwachsenen, der nie von Computerspielen wie »Fortnite« oder von »Floss Dance« gehört hat, vor ziemliche Rätsel stellen, wenn seltsame Armbewegungen oder das Spiel mit Masken die Szene beherrschen. Ist das noch strange oder doch schon cool? Anderes aber kapieren selbst Überlebende der Baby-Boomer-Generation, wie das Posen oder auch das Selfie-Schießen. Und Alice kennt man schließlich auch.
Nicht sofort (aber dann doch) wird auch in Frankfurt zu erkennen sein, welche der maskierten Figuren aus den weiß gekleideten Reihen (Kostüme: Nathalie Meyer) nun die Tanzprofis (Jonas Frey, Albi Gika, Victora Söntgen, Katharina Wiedenhofer) sind, und welche die Schüler. Gregor Knüppel sorgt für Video, Licht und Sound und Richard Oberscheven für einen Musik-Mix, der von Matthew Herberts »The Movers and the Shakers« über das Kraftwerk-Model bis zu Georg Friedrich Händels »Lascia, qu’io pianga« reicht.
Die Uraufführung von »Wonderland« war ursprünglich schon im vergangenen Oktober in der Volksbühne geplant, fand nach deren verzögertem Start aber in Eschborn und dann in Bad Homburg, jeweils mit Schülern der beiden Städte statt. Um Premierenfieber muss man sich folglich nicht sorgen. Und so ganz nebenbei demonstriert das Engagement der Karfunkel-Preisträgerin von 2018 auch den neuen offenen Geist, der um die Spielstätte im Hirschgraben weht.

Gisbert Gotthardt (Foto: © @NYP Pics)
Termine: 8. März, 16 Uhr, 9., 10. März, 10 Uhr
www.volksbuehne.net

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