»Struwwelpeter« im Theaterhaus

Er ist eigentlich so recht das, was man neudeutsch einen ›local hero‹ nennt. Und selbst wenn er über 100 Jahre auf dem Buckel hat, wissen doch die meisten Kinder auch heute, wer Struwwelpeter war. Keine schlechten Voraussetzungen für das TheaterGrueneSosse, das populäre Kinderbuch in eigener Lesart aufzubereiten.
Von Paulinchen über Konrad und Hans-Guck-in-die-Luft bis hin zum Struwwelpeter selbst galten die Geschichten um die von dem Frankfurter Arzt, Psychiater und alten 48er Heinrich Hoffmann bereits 1844 kreierten Figuren als Inbegriff der schwarzen, sprich: auf Furcht und Strafe angelegten, autoritären Pädagogik. Auf der Bühne des Theaterhauses aber werde die Phantasie im Vordergrund stehen, verraten die Kinder- und Jugendtheatermacher Detlef Köhler und Ossian Hain, und zwar ganz im Sinne des aufgeschlossenen Freigeistes Hoffmann. Schließlich handele es sich dabei umd sehr eigensinnigen und renitente Kinder, die von den Erwachsenen zumeist verlassen und alleingelassen würden.
»Lustige Geschichten und drollige Bilder« kündigt die Kindertheaterschmiede unter der Regie von Liljan Halfen im Untertitel an. Und einen »grotesken Bilderreigen« für Kinder ab sieben Jahren.
Bild für Bild und Fall für Fall knüpfen sich Kathrin Marder und Ossian Hain als live musizierende Performer die einzelnen Figuren und ihre Taten vor. Nicht etwa, um sie textgetreu nachzuspielen, sondern kommentierend und aktualisierend als Produkt kindlicher Phantasie begreifbar zu machen.
So handeln Marder und Ossian den Fall des hyperaktiven Zappelphilipp, der bekanntlich beim permanenten Stuhlkippeln die vollbeladene Tischdecke herunterreißt, selbst auf wippenden Stühlen ab, und gehen dabei der Frage nach, wie man das technisch hinkriegt, derart in der Schwebe zu bleiben. Dabei erinnern sie sich an Mutproben oder Balanceakte auf Mauern, aber auch an die Regeln und Verbote der Eltern. Machen die eigentlich immer Sinn? Oder eher nicht? Und wieso kommt der Zappelphilipp eigentlich dazu, derartig nervig herumzuzappeln?

gt (Foto: © Theater GrueneSosse)
Premiere: 28. Februar, 19 Uhr, und viele Termine im März
www.theaterhaus-franfurt.de

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