Schön singen, der Rest ist egal

Es gehört schon ein erstaunliches Entdeckergespür dazu, unter den unendlich vielen Barockkomponisten ausgerechnet den Nepolitaner Domenico Natale Sarro (1679–1744) ausfindig zu machen, von dem nicht nur heute kaum etwas bekannt ist. Vielmehr sind wohl die Oratorien und Opern Sarros auch zu seinerZeit als Hofkapellmeister in Neapel (und einer der Nachfolger des bekannteren Alessandro Scarlatti) kaum wirklich erfolgreich gewesen. Einmal, so wird geschrieben, sei der in einer Oper anwesende König ob der trockenen und traurigen Musik während der zweiten Hälfte eingeschlafen.
Das wird dem (bürgerlichen) Publikum sicherlich nicht passieren, wenn Rainer Pudenz und die auf ihn eingeschworene Kammeroper Frankfurt Sarros »Impresario von den Kanaren«, diesem »Intermezzo« um einen singenden, zwielichtigen Intendanten des Domenico Sarro aus dem Jahr 1724, das Verismo-Drama »Der Bajazzo/Pagliacci« von Ruggiero Leoncavallo gegenüberstellt. Im schönsten Opernhaus Frankfurts, wie es heißt, in der Konzertmuschel des Palmengartens. Das Spiel im Spiel (bei Leoncavallo mit tödlichem Ausgang), die Commedia del Arte, ist das Handwerkszeug, mit dem die Kammeroper schon finsterste musikalische Dramen genießbar gemacht und durchaus ad absurdum geführt hat. »Singen sie schön, der Rest ist egal«, beschwört der Impresario eine von ihm begehrte Sängerin. Mal schauen, wie sich die durchaus pfiffige Kombination zweier Werke anlässt, die auf den ersten Blick stilistisch so gar nicht zueinander passen wollen. (Ausführlicheres im Strandgut 8/2018).

Bernd Havenstein (Foto: © Kammeroper)
Premiere: 21.7., danach 27., 28., 29.7. und 10 Termine im August.
www.kammeroper-frankfurt.de

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