Oper Frankfurt schaut voraus – Blick auf das Programm der nächsten Saison

Wenn Opernchef Bernd Loebe und »sein« GMD Sebastian Weigle zur Präsentation einer neuen Spielzeit (2019/20) laden, darf man stets nicht nur auf Neues gespannt sein.
Vielmehr betreten sie seit zwölf gemeinsamen Jahren immer wieder erfolgreich Wege außerhalb ausgetretener musikalischer Pfade. Die Begeisterung der beiden für manch riesige Aufgabe in Zusammenarbeit mit einem nahezu eingeschworenen »Ensemble stabile« überträgt sich immer wieder auf die Qualität der Aufführungen – und auf die Zuschauer. Die Suche nach ungewohnten Herausforderungen wie »Der ferne Klang« von Franz Schreker, der »Julietta« von Bohuslav Martinu und dem Seelendrama »Peter Grimes« von Benjamin Britten ist nicht aufzuhalten. Und das bei kaum nachvollziehbaren Etatkürzungen der Stadt Frankfurt: diese Institution rangiert als vierfaches »Opernhaus des Jahres« bei seit Jahren gleichbleibend höchstem Niveau, von den Gehältern her auf Platz 27 in der Republik. Bernd Loebe spricht von einer Arbeitsintensität, der sich im gesamten Ensemble niemand zu entziehen scheint. Nicht einmal die großartigen Sänger(innen) und Dirigent(ìnn)en, Regisseurìnnen und Regisseure, die immer wieder an die Tür des Intendanten klopfen, um an diesem Haus arbeiten zu dürfen, das sich qualitativ durchaus mit Wien, Berlin, München oder gar New York messen darf.
Als Herzensangelegenheit des Intendanten wird es in der kommenden Saison drei neue Produktionen der stets unterbelichteten Opern von Gioachino Rossini geben. Zu Beginn, am 8.9.2019, gleich dessen »Otello« in der Inszenierung von Daniele Michieletto, der sich ja vor kurzem mit der Schreker-Oper geradezu in die Herzen der Frankfurter Opernbesucher katapultiert hat. »La Gazetta« wird es ab 2.2.2020 im Bockenheimer Depot geben und eine Art Romeo-und-Julia-Story, »Bianca e Falliero«, ab 5.4.2020, allesamt Frankfurter Erstaufführungen. Sebastian Weigle selbst hat sich, zusammen mit dem Regisseur Anselm Weber (in bester Erinnerung seiner »Passagierin« von Weinberg), Dimitri Schostakowitsch und dessen Meisterwerk »Lady Macbeth von Mzensk« vorgenommen (Premiere am 3.11.2019). Die in fast schon beängstigende Höhen aufgestiegene, 33-jährige Dirigentin und GMD Joana Mallwitz aus Nürnberg tritt gleich zweimal ans Pult des Opernorchesters zu starken »Frauenopern«: zu Gabriel Faurés einziger Oper »Pénélope« (1.12.2019) und »Salome« von Richard Strauss (1.3.2020) – diese dazu noch spektakulär in Zusammenarbeit mit Barrie Kosky als Regisseur. Barrie Kosky selbst am Klavier wird so ganz nebenbei am 4.2.2020 mit den Sopranistinnen Alma Sadé und Helene Schneidermann jiddische Operettenlieder zum Besten geben (rasch Karten besorgen!).
Sebastian Weigle setzt seine Sicht auf Richard Wagner fort mit »Tristan und Isolde« (19.1.2020). Die Komponistin Lucia Ronchetti arbeitet an einem Auftragswerk für das Bockenheimer Depot (18.4.2020) über Dantes »Inferno«. Und nach langer Vernachlässigung des 2012 gestorbenen Komponisten Hans Werner Henze wird es dessen »Prinz von Homburg« (mit dem Sujet von Ingeborg Bachmann) und in der Regie von Jens-Daniel Herzog geben. Große und vielversprechende Namen und Werke also, die einen riesigen Bogen spannen werden von Händel (»Tamerlano« am 7.11.2019) bis Janacek (»Das schlaue Füchslein« in Wiederaufnahme).
Neben den 12 Premieren, 15 Wiederaufnahmen erfolgreicher Projekte und 9 Liederabenden wird sich die Oper Frankfurt weiterhin sehr intensiv um Kinder und Familien (Orchester hautnah z.B., Oper für Kinder unterwegs und Workshops) kümmern.
Ausgewählte Produktionen (bisher etwa 30), bislang vom Label OehmsClassics produziert, werden zukünftig von Naxos Deutschland und seinem Gründer Klaus Heymann weitergeführt. Geplant sind auch DVDs von Puccinis »Manon« und »Salome« von Strauss.
Chapeau also für ein Team, das am Limit arbeitet, seinen Bildungsauftrag als städtische Einrichtung ernst nimmt und dessen künstlerische Qualitäten weit über Frankfurt hinaus wahrgenommen werden.
Das ausführliche Programm der Saison 2019/20 liegt in einigen Vorverkausstellen und in der Oper Frankfurt aus. Wegen ernormer Auslastung fast aller Vorstellungen ist frühe Platzbuchung empfohlen.

Bernd Havenstein (Foto: Der ferne Klang, © Barbara Aumüller)
www.oper-frankfurt.de

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