Liebieghaus zeigt »Medeas Liebe«, das Archäologisches Museum »Wein und Gold«

Zwei renommierte Frankfurter Museen thematisieren in großartigen Ausstellungen sehr unterschiedliche Aspekte der frühen georgischen Geschichte.

Liebe und Mord

Eine Frauengestalt auf rotem Grund, das Schwert gezückt, das Opfer, eine Kindergestalt, an den Haaren gepackt – »Medeas Liebe und Mord?« wie geht das zusammen? Die Neugier ist geweckt.
Die dramatische Geschichte von Medea, Jason, dem Goldenen Vlies und der abenteuerlichen Fahrt der Argonauten nach Kolchis (in Georgien) und zurück, nachzulesen bei Gustav Schwabs »Sagen des klassischen Altertums«, hier wird sie in allen Varianten erzählt und, mehr noch, illustriert: zum Teil über 4.000 Jahre alte Objekte, Skulpturen, Wandgemälde aus Pompeji und vor allem Darstellungen auf Vasen, Tellern, Kelchen und anderen Kultgeräten des klassischen Hellas hat das Liebieghaus zusammengetragen.
Zu erfahren ist aber auch die weniger bekannte Vorgeschichte der durch Euripides bekannt gewordenen Tragödie über Liebe, Eifersucht, Macht, Rache und Mord: Sie handelt von der Flucht der Geschwister Phrixos und Helle auf dem fliegenden Widder mit dem goldenen Fell vor ihrer bösen Stiefmutter (!) Richtung Schwarzes Meer, doch bevor sie Kolchis erreichen, stürzt Helle ab – der Hellespont erhält so seinen Namen. Phrixos erreicht sein Ziel, wird von Medeas Vater, König Aietes, gastfreundlich aufgenommen. Der opfert den Widder und lässt sein Fell an einen Eichbaum nageln, streng bewacht von einem Drachen – der erste Teil der Geschichte. Ein wunderbarer Teller, ein kleines Relief und ein Wandgemälde aus Pompeij illustrieren das.
Weiter geht die Graphic Novel, meist rot auf schwarzem Grund, mit der Fahrt der Argonauten unter Jason, mit dem Raub des Vlieses dank der Hilfe der zauberkundigen Königstochter, die sich prompt in Jason verliebt hat, bis hin zur Ankunft in Korinth, wo das Paar zur Ruhe und zu zwei Kindern kommt.
Dort aber verlässt Jason Medea, um Thron und Königstochter Kreusa/Glauke zu erlangen, mit bekannten Folgen: Die Barbarin tötet ihre Nebenbuhlerin, deren Vater und ihre eigenen Kinder, um danach auf dem Schlangenwagen des Sonnengottes, ihres Großvaters Helios zu fliehen. Auf einem kolossalen Weinmischgefäß wird die ganze Saga eindrucksvoll dargestellt. Andere Exponate zeigen Nebenerzählungen und Varianten.
Der imposante Nachguss zweier lebensgroßer antiker Statuen füllt einen eigenen Raum: Argonaut Polydeukes, herausgefordert von König Amykos, dem Muhamed Ali seiner Zeit, hat diesen im Boxkampf besiegt – eindrucksvoll plastisch sind die Spuren dieses Kampfes herausgearbeitet, bis zum Hämatom unter dem Auge. Einen dritten Raum füllen goldene Schmuckstücke und Ziergeräte, Werkzeuge, Statuetten und Kultfiguren aus den Hügelgräbern der Heimat Medeas. Bronzezeitliche Funde (3. Jahrtausend v.Ch.) bis hin zu reich verzierten Teilen aus Gold, Türkis, Granat und Amethyst aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. zeugen vom großen Goldreichtum und der Kunstfertigkeit seiner Bewohner.

Bis 10. Februar 2019: Di.– So. 10–18 Uhr, Do. bis 21 Uhr
www.liebieghaus.de

Dem Wein auf der Spur

Diese Sicht zu vertiefen, lohnt der Gang ins Archäologische Museum, das sich Georgiens ältesten Schätzen widmet, nicht nur dem Gold, sondern, man höre und staune, auch dem Wein und anderer Schlüsselinnovationen aus dem 4. Jahrtausend vor unserer Zeit: Rad und Wagen, das Herauszüchten des Schafs mit – goldenen? – Wollvlies und das domestizierte Pferd. Wie Geschichten und Mythen den Kaukasus lange Zeit schon mit Mitteleuropa verbunden haben, hat man gerade im Liebieghaus erfahren. Das Archäologische Museum konzentriert sich naturgemäß vor allem auf Ausgrabungen, die wissenschaftlich aufbereitet und dargestellt, deswegen aber keineswegs weniger reizvoll sind. In einer Vitrine etwa liegen mehrere phallusartige Stabaufsätze aus Geweih, die nur in den neolithischen Dörfern im Südkaukasus zu finden sind. Das winzige Modell eines zweirädrigen Wagens ist der älteste sichere Nachweis des Wagens in Georgien, auch ein 4.400 Jahre alter Original-Bestattungswagen mit riesigen Rädern aus Holz ist zu sehen. Die ältesten Nachweise einer frühen Weinkultur lassen sich an kunstvollen Trinkgefäßen – mit Weinresten! – ablesen. Mit dem Edelmetall aus dem ältesten bekannten Goldbergwerk der Welt in Sakdrissi wurden bezaubernde Schmuckstücke hergestellt, Schläfenringe, Halsketten. Am entzückendsten aber ist der winzige goldene Löwe aus Znori in einer eigenen Glasvitrine. Werkzeuge, Waffenteile, Vorratsgefäße und Keramikscherben dokumentieren die hoch entwickelte Kultur der Jungsteinzeit und Bronzezeit Georgiens.
Viele der über 270 Exponate sind erstmals außerhalb des Landes gezeigte Originalfunde. Nachweisbar ein großartiges Bildungserlebnis.

Bis 10. Februar 2019: Di.– So. 10–18 Uhr, Do. bis 20 Uhr
www.archaeologisches-museum-frankfurt.de
Katrin Swoboda
Foto: Archäologisches Museum, Gold und Wein, © Arch. Museum AT

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