Internationales Theater Frankfurt zeigt das tragikomische Boulevardstück »Der Kredit«

Es ist wohl nicht die erste Bank, die sich Anton Herberg da ausgesucht hat, sein so benötigtes Darlehen zu kriegen. Wie anderswo zuvor so scheint der penetrant nachhakende Mann nun auch beim längst genervten Filialleiter Adam abzublitzen. Gäbe es nicht auf dem Tisch des etwas sehr selbstzufriedenen, etwas sehr saturierten Bankers ein kleines gerahmtes Bild vom häuslichen Glück, das Herberg entdeckt. Sollte er das Geld nicht erhalten, verblüfft der eher leger gekleidete Spätdreißiger nun plötzlich sein akkurates Gegenüber, dann werde er sich mit seiner Gattin vergnügen.
Der Katalane Jordi Galceran hat diese gar nicht so lustige Komödie aus dem Bankenmilieu, die er mit bissigen Kommentaren zur Finanzkrise garniert, im Jahr 2013 geschrieben. Überdies spiegelt sie mit der impertinenten Infragestellung der Position des Filialleiters die Erosion eines dereinst ehern geglaubten Berufsstandes und macht uns zu Zeugen, wenn das fragwürdige Weltbild eines mitten im Berufsleben stehenden Mannes mitsamt seinem nicht minder fragwürdigen Ego in Stücke zerbricht. Stante pede am Boden.
Kein Wunder folglich, dass »Der Kredit« wie schon davor Galcerans Manager-Persiflage »Die Grönholm-Methode« weltweit auf den Spielplänen steht. Das neu aufgestellte Internationale Theater in Frankfurt zeigt es als erstes Gastspiel des Kölner Horizont Theaters in einer Inszenierung von Aydin Isik. Auf einer schlicht mit Schreib- und Beistelltisch sowie zwei Stühlen ausgestatteten Bühne konzentriert sich das Stück ganz auf den immer offener zutage tretenden Macht-kampf der beiden so unterschiedlich angelegten Protagonisten Björn Lukas (Anton Herberg) und Aydin Isik (Herr Adam) – und ist dort bestens aufgehoben. Köstlich, mit welcher Chuzpe Lukas seine Figur Herberg in die Position des unwiderstehlichen Womanizers manövriert und wie der Filialleiter in einer mit Spontanapplaus bedachten Wuttirade sich Luft macht. Schade allein, dass die Regie sich nicht getraut hat, die optisch und sprachlich unleugbar südeuropäische Herkunft Isiks mit einem passenderen Rollennamen zu belegen. Man erfährt ihn erst spät und hat sich doch die ganze Zeit etwas anderes als einen Herrn Adam vorgestellt, wenn er von zuhause erzählt. Aber das ist eine Fußnote ohne Belang an einem vergnüglichen Abend.

gt (Foto: © Kilian Bierwirth)
Termin: 20. Dezember, 20 Uhr
www.internationales-theater.de

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