»Ich bin dein Mensch« von Maria Schrader

Als Alma , die promovierte Anthropologin am Berliner Pergamon-Museum, sich dazu entschlossen hat, einen menschenähnlichen Roboter für drei Wochen auszuprobieren, scheint sie nicht damit gerechnet zu haben, dass sich ihr Leben verändern wird. Wir, die Zeugen dieses Experiments, ahnen bald, dass es ohne Blessuren nicht abgehen wird. KI, die künstliche Intelligenz, wird schon ihr Opfer fordern.

Mehrere Formen, wie man dieses mit einem gewissen Schaudern besetzte Thema im Kino behandeln kann, standen zur Auswahl: ein Science-Fiction-Thriller (»Robocop« wird auch einmal erwähnt), ein Horrorfilm à la »Frankenstein« oder vielleicht etwas Schräges wie »Frankenstein Junior«.
Maria Schrader hat sich für eine Variante der romantischen Komödie entschieden. Genauer gesagt: Mit »Ich bin dein Mensch« hat sie eine hintergründige Beziehungskomödie geschaffen, die nicht nur äußerst amüsant anzuschauen ist, sondern auch zu Reflexionen über existentielle Fragen anregt. Denn Roboter Tom ist als idealer Partner programmiert. Er hat die Aufgabe, Alma glücklich zu machen.
Die beiden lernen sich in einem den zwanziger Jahren nachempfundenen Ballsaal kennen, der mit täuschend echten Hologrammen bevölkert ist. Allerdings findet ihr gemeinsamer Tanz ein jähes Ende. Der überhöfliche und etwas antiquiert sprechende Tom gibt ständig den Halbsatz »Ich bin …« von sich und dreht dabei seinen Kopf etwas zur Seite. Offensichtlich ein Programmierfehler, der so selten vorkommt wie ein Lottogewinn, versichert die Angestellte von Toms Herstellerfirma Terrareca.
Die Rollen sind klar verteilt. Hier Mensch und dort der Androide, den ein Rudel Hirsche nicht wahrnimmt, das sich sorglos um ihn herumgruppiert. Und Alma ist auch für ihn verantwortlich. Er ist ein Hightech- Studienobjekt im Besitz von Terrareca. Wenn er einmal verschwunden ist, weiß sie ganz genau, dass sie ihn wiederfinden muss.
Nun wird aus einem karikaturhaft gezeichneten Ja-Sager bald eine Menschlichkeit simulierende Maschine. KI bedeutet ja, dass das Computerprogramm lernen und sich bei Bedarf eigenständig korrigieren kann. So gleicht Tom im Verlauf mehr und mehr einem sympathischen Mann. Besonders bei den Frauen kommt er gut an, und der Filmtitel wird immer treffender. Dieser Prozess geht sogar so weit, dass man als Betrachter mit ihm Mitleid bekommt, wenn Alma aus der Haut fährt. So darf man doch mit einem Androiden nicht umgehen!
Schließlich gelingt seine Vermenschlichung auch für Alma so überzeugend, dass sie sich in ihn verliebt. »Du kannst auch gerne an einen Menschen denken.« »Und du an eine Roboterin.« Das ist der originelle Dialog zur stockdunklen Liebesszene.
Wie von der Schauspielerin Schrader nicht anders zu erwarten, ist ihre dritte Regiearbeit auch ein exzellenter Schauspielerfilm mit einer gut aufgelegten Maren Eggert, deren Alma zuweilen an ihre Grenzen kommt. Für ihre Leistung ist sie bei der digitalen Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet worden.
Als ihr Gegenüber glänzt Dan Stevens in der Rolle des Androiden Tom. Er könnte, wenn überhaupt, aus »Downton Abbey« bekannt sein. Mit seinem oft etwas gedankenverlorenen Blick, den nur minimal eckigen Bewegungen und seinem leichten englischen Akzent wirkt er wie ein Fremdkörper, der sich bemüht, dazuzugehören und anerkannt zu werden. Dazu kommen u.a. eine famos verschmitzte Sandra Hüller als ständig lächelnde Repräsentantin der Roboterfirma und der betagte österreichische Theater- und TV-Mime Wolfgang Hübsch als Almas widerborstiger Vater.
»Ich bin dein Mensch« hat einiges zum Thema zwischenmenschliche Beziehungen zu bieten. Etwa, dass zu ihnen bisweilen auch ein Dissens gehört. Es ist ein Film über Gefühle und über das Glück, das man oft erst im Nachhinein fühlt. Eben über die menschliche Existenz. Das alles in einem leichten Ton, der nur in Annas etwas zu analytischem Abschlussbericht ernster wird. Da bricht kurz der deutsche Tiefgang durch, der unsere Filme im Ausland so interessant macht. »Von der Zulassung Humanoider als Lebenspartner rate ich mit großer Entschiedenheit ab«, schreibt sie in ihrem Bericht für Terrareca. Doch es wird nicht ihr letztes Wort in dieser Angelegenheit bleiben.

Claus Wecker (Foto: © Christine + Fenzl)
ICH BIN DEIN MENSCH
von Maria Schrader nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Emma Braslavsky, D 2021, 144 Min.
mit Maren Eggert, Dan Stevens,
Sandra Hüller
Komödie
geplanter Kinostart am 17.06.2021

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