Der Blick zurück: 70 Jahre Luftbrücke Frankfurt–Berlin

Manchmal lohnt es sich, einen Blick zurück zu werfen. Vor allem, wenn die politische Stimmung nicht so positiv ist. Wie bei dem Bild von den Vereinigten Staaten von Amerika, das derzeit etwas getrübt scheint, jedenfalls nach den Umfragen hierzulande.

Im Juni riegelte die sowjetische Besatzungsmacht West-Berlin von den drei westlichen Besatzungszonen in Deutschland ab. Das gesamte Berlin sollte kommunistisch werden. Um das zu verhindern, begannen Briten und Amerikaner am 24. Juni, mit allem, was fliegen kann, lebensnotwendige Güter nach Berlin einzufliegen. Diese Aktion, oftmals von denen ausgeführt, die zuvor Bomben auf Deutschland abgeworfen haben, ging als Berliner Luftbrücke in die Geschichte ein.

Den Gesinnungswandel der handelnden Personen hat einer von ihnen besonders beeindruckend beschrieben. Er habe zunächst mit den Deutschen gehadert, weil ein befreundeter Kamerad als Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg abgeschossen wurde, doch dann habe er die Trümmerberge in Berlin gesehen und die winkenden Kinder. »Diese Kinder hatten nichts, gar nichts«, erinnerte sich der Luftwaffenpilot Gail Halvorsen. Eines Tages habe er sich an den Stacheldraht gestellt und sich mit einer Gruppe von Berliner Kindern unterhalten. »Keines dieser Kinder hat um irgendwas gebettelt.« Nachdem er ihnen zwei Kaugummis gegeben hatte, die sie mit großen Augen genommen und aufgeteilt haben, versprach er: »Wenn ich morgen wieder nach Tempelhof fliege, werfe ich euch beim Anflug Süßigkeiten ab.« Und damit die Kinder unter den im Abstand von nur wenigen Minuten anfliegenden Flugzeugen seine Maschine erkannten, wollte er mit den Tragflächen wackeln. Die an Fallschirmchen hängenden Schokoriegel und Kaugummis linderten fortan die Nachkriegsnot und aus den Bombern des Krieges wurden die »Rosinenbomber«, um originelle Spitznamen waren die Berliner ja nie verlegen.

Dieser Gail Halvorsen, mehrfach dekorierter Colonel, wird im nächsten Oktober 98 Jahre alt. Zum 70-jährigen Jubiläum der Luftbrücke wird er nach Deutschland kommen und am 26. Juni am Luftbrückendenkmal am Fraport an einem Staatsakt teilnehmen. Zuvor wird er im Kino Orfeos Erben von seinen Erlebnissen berichten (soweit er ich noch erinnern kann). Dieser Zeitzeuge mit Herz dürfte bei allen, die ihm begegnen werden, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Als Rahmenprogramm wird der Spielfilm »The Big Lift« aus dem Jahr 1950 von George Seaton (Regie und Drehbuch) gezeigt. In dem in Berlin gedrehten Kalten-Kriegs-Drama geht es um zwei Luftwaffen-Piloten (Montgomery Clift und Paul Douglas), die von Honolulu nach Berlin abkommandiert worden sind. O.E. Hasse spielt einen Deutschen, der für die Russen, die den Zeitungsmeldungen misstrauen, die Luftbrücken-Flugzeuge zählt. Deutsche »Fräuleins« (Cornells Borchers und Bruni Löbel) setzen sich für die Völkerverständigung zwischen Deutschen und Amerikanern ein. Wenn wir auch heute über manches ein wenig lächeln können, so ist doch die Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit bemerkenswert. Davon können wir uns auf jeden Fall eine Scheibe abschneiden.

Claus Wecker
(Foto: Heico Last (Berliner Freundeskreis) und rechts Gail Halvorsen, © Michael Damm)

 

THE BIG LIFT (Es begann mit einem Kuss / Die viergeteilte Stadt)

von Seaton, George, USA 1952, 95 Min.

mit Montgomery Clift, Paul Douglas, Cornell Borchers, Bruni Löbel, O.E. Hasse

Drama

Termin: Freitag, 22. Juni. 18.30 Uhr in Orfeos Erben. Kartenvorbestellung unter reservierung@orfeos.de oder telefonisch Mo. bis Sa. ab 18.00 Uhr unter 069-707 69 100

Info zur Luftbrücke: https://youtu.be/H-4vE6DCLeU

 

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