Burgfestspiele Dreieich: Kulturfeuerwerk vom 2. Juli–20. Aug.

Ein bisschen Wehmut ist dabei: Die 13. Burgfestspiele in Dreieichenhain läuten für den Kulturprogrammierer Wolfgang Barth den großen Abschied von der (Hinter-) Bühne ein. Und dieser Abschied sieht ganz danach aus, als wollten wirklich alle, die das Festival seit Jahren künstlerisch prägen, unbedingt dabei sein: von Konstantin Wecker zu Michael Quast, von Gayle Tufts, bis zu Sabine Fischmann und Ulrike Neradt und von Max Mutzke bis zu Henny Nachtsheim. Ob sie die Traummarken von an die 90 Prozent Auslastung und 26.000 Besuchern bei 36 Auftritten aus dem Vorjahr toppen können, wird allein das Wetter entscheiden.
Dabei kommt der Arzt, anders als im wirklichen Leben, nicht zum Abwinken zur Feier, sondern macht gleich zur Eröffnung seine Visite. Eckhart von Hirschhausen, der Doktor der Nation, bittet das Publikum mit einem zweideutigen »Endlich« gleich an drei Abenden (2.–4.) zur Diagnose. Dass ihm in der ersten Woche das Ukulele Orchestra of Great Britain (5.), die österreichischen Bläser von Mnozil Brass (6.) und die italienische Opernnacht folgen (7./8.) deutet an, dass es auch in allen Klangfarben leuchten wird. Wie sehr, und mit wem und was im Einzelnen, lässt sich nebst Uhrzeiten, Preisen und Ticket-Adressen der nachgenannten Homepage entnehmen. Im Folgenden, der Strandgutrubrik entsprechend, seien nur die Theater-Highlights vermerkt.
Das längst zum Festival-Inventar zählende Potsdamer Theater Poetenpack präsentiert die berühmteste aller Marivaux-Komödien »Das Spiel von Liebe und Zufall«, ein klassisches Verwirr- und Verwechselspiel aus der Hochzeit des Barock in opulenter Kostümierung. Der Clou: Der hürdenreiche Weg von Silvia und Dorante zueinander wird mit passend arrangierten Liebesliedern der Beatles (à la »Michelle, ma belle« u.a.) untermalt. Auf der Heimatbühne des Poetenpacks ist das völlig entstaubt inszenierte Stück ein Dauerbrenner geworden. Hier ist es nur einmal, am 17. Juli zu sehen.
In die schwarzromantische Märchenwelt des Wilhelm Hauff entführt das Kölner NN Theater mit dem düsteren Gruselstück um den Kohlenbrenner Peter Munk und seinen folgenreichen Handel mit dem Holländer-Michael: »Das kalte Herz«. Ein grusliger Schocker, der kein bisschen gestrig daherkommt. Die Welt, der Munk nach dem desaströsen Deal am 31. Juli zu entrinnen sucht, kennen wir bestens.
Und der Horror geht weiter, wenn auch auf andere Art. Wie eh und je bringt das Barock-am-Main-Ensemble sein Vorjahresstück aus Frankfurt-Höchst auf die Burg: »Horribilis von Huckevoll«. Der Hessisch-Übersetzer Rainer Dachselt fügt darin Motive aus Komödien von Andreas Gryphius zusammen und lässt Michael Quasts grandios gespielten Aufschneider auf Frankfurt los (14. August).

gt (Foto: »Das kalte Herz«, © Mareike Tocha)
www.burgfestspiele-dreieichenhain.de

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