Antonin Varenne: Äquator

Landschaft als Seelenzustand: Die Frauen sind die wahrhaft Zähen in diesem Buch zwischen allen Stühlen, seit der Begriff Abenteuerroman aus der Mode ist. Antonin Varenne gibt dem Genre mit »Äquator« einen neuen Schub, nimmt jedoch eine andere Richtung als in seinem letzten Buch »Die sieben Leben des Arthur Bowman«. Auf diesen Schlächter, Soldaten und Detektiv gibt es immer wieder Referenzen, einmal heißt es zu ihm: »Ich kenne den Krieg, ich weiß, dass sich die Menschen, sobald sie eine Waffe in der Hand halten, nicht mehr voneinander unterscheiden lassen. Man gibt ihnen ein Gewehr, und schon sind sie keine Farmer mehr, keine Familienväter, keine Kunsthandwerker und Ingenieure, nur noch Soldaten der großen Lüge: Es gibt keine Grenzen, der Krieg reißt sie ein. Statt uns zu schützen, sperren sie uns ein in unseren Krieg gegen uns selbst.«
Pete Ferguson aus Nebraska, Kinder-Deserteur im amerikanischen Bürgerkrieg, Dieb und Brandstifter, will dem Krieg entkommen, flieht mit seinem kleinen Bruder Oliver quer durch Amerika, wird Bisonjäger, kommt bei wandernden Komantscheros unter, gerät in eine Revolution in Guatemala, strandet in Guayana, landet in einem Dorf voller Frauen, zieht durch die Urwälder Brasiliens, kommt dem auf seine Haut tätowierten Sehnsuchtsziel immer näher: dem Äquator, wo alles auf dem Kopf steht und sich angeblich alles in sein Gegenteil verkehrt.
Weltbild 1871, Abenteuerroman 2018. Ein Buch der Ruhelosigkeit und Sehnsucht, das Panorama einer Welt zwischen Archaik und Moderne. »Wir sind merkwürdige Pioniere«, heißt es einmal, »weil wir kein Land suchen.«

Alf Mayer
Antonin Varenne: Äquator (Équateur, 2017). Aus dem Französischen von Michaela Meßner. C. Bertelsmann Verlag, München 2018.  428 Seiten, 20 Euro

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