Theaterhaus: Grüne Soße zeigt den Kinderkrimi »Eltern vermisst«

Ab in die Pampa

So viel steht fest: Wachsen wird das Ansehen der Polizei in den deutschen Kinderstuben durch das neue Stück des Ensembles Grüne Soße nicht. »Eltern vermisst« wurde von Ossian Hain nach einer Idee des Holländers Bas Suyderland verfasst und nun von Sybrand van der Werft inszeniert – wohlklingende Namen des Kinder- und Jugendtheaters allesamt. Letzteres stellt indes sicher, dass das Niveau der Staatsdiener in dieser Kinderkrimikomödie nicht ganz so tief im Süden wie etwa die Blödelfilmreihe »Police Academy« siedelt. Und dass es reichlich zu denken und zu kombinieren gibt, vor allem für die nicht sehr geschickten Kommissare mit den schönen Büroutensilien-Namen Tacker und Spitzer.
Ihr Fall kommt durch einen Nachbarn ins Rollen. Ein großes, schweres Paket steht da im Vorgarten eines Haus, dessen Bewohner – Vater, Mutter und Sohn – wie vom Erdboden verschluckt scheinen. Doch just als Tacker und Spitzer in Tatort-Manier die Fahndung einleiten und mit einem Polizeihandbuch ausgerüstet die Spurensicherung aufnehmen, da verschwindet es auch wieder. Dabei haben die zwei vor lauter Eifer einfach nicht gemerkt, dass der Postbote, wie es sich gehört, das Riesenteil mit einer Karre abgeholt hat. Den fassen sie aber dann als vermeintlichen Dieb, und auch das Paket taucht wieder auf, weil es nicht ausreichend frankiert ist und weil es für die Zieladresse »In die Pampa« auch nicht wirklich zustellbar ist. Aber, wem gehört es? Wo sind die Bewohner des Hauses, zu dem es zurückgebracht wird? Und was könnte es denn enthalten?
Noch komplizierter gestaltet sich der Fall, nachdem ein Supermarktdetektiv den Sohn der Familie entdeckt hat, als er sich Berge von Chips auf seinen Einkaufswagen lädt. Über 70 Tüten – und sonst nichts! Warum nur? Ist er von den Rabeneltern verlassen worden? Eine knifflige Angelegenheit die Sache – für die Polizisten, die zum Vergnügen der längst durchblickenden jungen Zuschauer im Publikum noch eine ganze Zeit im Dunkeln tappen, bevor sie – endlich – darauf kommen, wer da betäubt in die Pampa geschickt werden sollte. Über das Warum nachzudenken, überlässt das Stück den anschließenden Gesprächen –  und wird so natürlich auch für Eltern interessant. Wer verdirbt sich’s schon gern mit seinem Nachwuchs?
Die wechselnden Orte des genau choreografierten Spiels von Willy Combecher (Spitzer) und Horst Kiss (Tacker), die auch alle anderen Rollen übernehmen, hat der Bühnenbauer Detlef Köhler mit wenigen Requisiten durch einen vielseitig wend- und verwendbaren Alurahmen sinnfällig dargestellt. Die begleitende Akustik sorgt für die Dramatik und die immer wieder eingespielte Jungenstimme für den Thrill.

Winnie Geipert (Foto: © Coco Hackel)
Termine: 18. Oktober, 15 Uhr; 19., 20., 21. Oktober, 11 Uhr
www.theaterhaus-frankfurt.de

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