Theaterhaus Frankfurt zeigt das holländische Genderstück »Jungs«

Drinnen und Draußen

Wann ist ein Mann ein Mann? Die Grönemeyer-Frage stellt sich nicht erst mit der Pubertät, wie jetzt im Theaterhaus eindrucksvoll zu erleben ist. Dort müssen Ravi, Matti und Lo, beste Freunde und einstellig alt, herausfinden, was ein echter Junge ist. »Jungs« heißt das Stück der Holländerin Shanna Chatterjee, in dem Lo seinen Kumpels beim Piraten-Spiel verrät, dass er gerne Mädchenkleider trägt. Er fühle sich halt von innen anders als von außen, versucht Lo zu begreifen. Für Ravi ist es völlig abwegig, dass einer, der ein Mädchen sein will, sein bester Freund sein kann, zumal sein großer Bruder das für »schwul« hält. Matti dagegen kann mit kindlicher Unvoreingenommenheit Lo verstehen und möchte ihn genau wie Ravi als besten Freund behalten – schon wegen des Piraten-Spiels. Matti ist es schließlich auch, der einfach nicht aufgibt und sogar in Kauf nimmt, sich mit Ravi zu verkrachen  – wie es sich für einen besten Freund gehört.
Auf der Bühne von Kerstin Laakmann sind drei Türen im Hintergrund und jeweils drei Kisten im Vordergrund zu sehen, sodass wir die Jungs sowohl im gemeinsamen Spiel aber auch zuhause in ihrem Zimmer erleben, wo Ravi einfach sauer auf seine Kumpels ist, Lo im Tutu mit Lippenstift vor dem Spiegel sitzt und Matti sich einen Kopp macht, wie er die Sache auf die Reihe kriegt. Dass die Mütter des Trios nicht wirklich Zeit und Nerven für die vorsichtig tastenden Fragen ihrer Jungs haben, ist dabei nicht zu übersehen.  
Allerdings gibt die Besetzung der Jungs-Rollen mit Frauen, die das auch noch offen betonen, dem von Rob Vriens inszenierten Stück besonderen Reiz. Nicht allein dadurch, dass Susanna Schyns als Lo die vertrackte Aufgabe hat, als Frau einen Jungen zu geben, der sich wie ein Mädchen verhält, spiegelt und hinterfragt das Genderspiel auch für Kinder (ab 6) verstehbar die Attitüden und angelernten Verhalten des Alltags. Deutlich wird auch, dass es Optimisten wie Matti (Friederike Schreiber) braucht, um die von Ravi (Uta Nawrath) verkörperten gesellschaftlichen Barrieren und Vorurteile zu hinterfragen und ihnen Stand zu halten. Dass die drei Jungs am Ende Los Neigung als ihr Beste-Freunde-Geheimnis bewahren wollen und ihn fortan als »Jädchen« akzeptieren, macht klar, dass eine solche Spielplatzmenage à trois auch heute nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit denkbar ist. Und keineswegs ein Kinderspiel bleibt.

wg (Foto: © Katrin Schander)
Termine: 21. und  23. Juni, jeweils 11 Uhr
www.theaterhaus-frankfurt.de

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