The Place Beyond the Pines (Start: 13.6.2013)

PLACE BEYOND THE PINES  (Start: 13.6.2013)Das Vermächtnis der Väter

»The Place Beyond the Pines« von Derek Cianfrance

Was für ein Typ, dieser Luke! Sein Körper ist mit Tattoos übersät, die T-Shirts trägt er auf links. Todesmutig schwingt er sich auf sein Motorrad, um mit zwei weiteren Fahrern einen hochriskanten Stunt in einer Metallkugel auszuführen. Luke ist einer, der sein Schicksal herausfordert, einer, der es wissen will.

Ryan Gosling gibt ihn mit einer Beiläufigkeit und einer Leinwandpräsenz, die wir schon in »Drive«, dem Film mit den Autostunts, bewundert haben. In beiden Filmen ist er ein Mann der Geschwindigkeit. Diesmal steigt er um aufs Motorrad, und wenn er eine kleine Bankfiliale ausgeraubt hat, ist er durch nichts und niemanden aufzuhalten.

Genauso mutig wie Luke ist Regisseur Derek Cianfrance, der eine erstaunliche Karriere hingelegt hat. Sein Debüt, »Brother Tied«, fand nach der Vorführung im Filmfestival Mannheim/Heidelberg 1998 keinen deutschen Verleih. »Blue Valentine«, das kompromisslose Ehedrama (auch mit Ryan Gosling), das zu finanzieren, ihn nicht weniger als zwölf Jahre kostete, wurde so etwas wie ein Geheimtipp für Experten. Mit seinem neuen Film »The Place Beyond the Pines« steht fest: Derek Cianfrance ist derzeit einer der interessantesten Filmemacher.

Er verlässt nämlich nach einem geschätzten Drittel des Films seine großartig eingeführte Hauptfigur und macht mit dem Polizisten Avery Cross weiter. Den spielt Bradley Cooper gewissermaßen als Kontrastprogramm zu seiner »Hangover«-Rolle. Avery kommt aus gutem Haus – sein Vater ist Richter. Aber Avery will seine Karriere unabhängig vom Dad machen. Er ist die Gegenfigur zu Luke. Beide sind sie gerade Vater geworden, beide suchen ihren eigenen Weg.

Cianfrance hat zusammen mit den Co-Autoren Ben Coccio und Darius Marder nicht nur zwei, sondern drei Filme in das Drehbuch gepackt. Die Geschichte vom tollkühnen Motorradfahrer Luke, der in dem Städtchen Schenectady (das Wort kommt aus dem Irokesischen und bedeutet »Jenseits der Pinien«) erfährt, dass er bei einem One-Night-Stand Vater geworden ist, und das Gefühl bekommt, eine Aufgabe gefunden zu haben. Wenn er Vater ist, dann richtig – auch wenn die Mutter (Eva Mendez) jetzt mit einem anderen Mann zusammenlebt. Dann die Geschichte vom leicht überforderten, dabei aggressiven Cop, der später nachdenklich und voller Gewissensbisse ist und schließlich zum entschlossenen Korruptionsbekämpfer wird. Und im dritten Teil, der 15 Jahre später spielt, die Geschichte der halbwüchsigen Söhne von Luke und Avery, die aufeinander treffen. Auch die Sprösslinge suchen ihren Platz in der Welt, was sozusagen das Vermächtnis ihrer Väter an sie ist.

Cianfrance hat eine gewagte Konstruktion gewählt, aber er schafft es, den epischen Bogen zu halten. Zudem ist sein Film eine Augenweide, weil Kameramann Sean Bobbitt immer wieder grandiose Cinemascope-Bilder hervorzaubert. Alles in allem keine Angelegenheit fürs Popcorn-Publikum, »The Place Beyond the Pines« ist spannendes Autorenkino für Erwachsene.

Claus Wecker

 

 

THE PLACE BEYOND THE PINES
von Derek Cianfrance, USA 2012, 140 Min.
mit Ryan Gosling, Bradley Cooper, Rose Byrne, Eva Mendes, Dane DeHaan, Ray Liotta
Drama
Start: 13.06.2013

 

Strandgut-Preview:

Wir verlosen 10 × 2 Freikarten für die Preview am Mittwoch, dem 5. Juni, um 20:30 Uhr in der Harmonie am Lokalbahnhof. Rufen Sie uns am Di., dem 4.6., um 10:00 Uhr unter der Tel.-Nr. 069/97 07 41 99 an. Wer bei dieser Aktion leer ausgeht, kann eine Karte an der Kasse erwerben.

Add Comment

%d Bloggern gefällt das: