Tanz der Vampire (137)

Kein Wirt in diesem Land muß in seinem Lokal Versammlungen politischer Gruppierungen dulden. Jeder Wirt hat das Recht, Gäste nach ihrer Gesinnung zu befragen und ggfs. auszuschließen. Er darf dies nur nicht nach der guten alten Südstaaten Sitte »No Dogs, no Negros« tun.
Was aber ist, wenn Nachbarn des Wirtes – etwa Mitglieder eines Bezirks­ausschusses der SPD – dem Wirt Vorhaltungen machen, weil er (der SPD) missliebige Stammgäste bedient und sich weigert (»sie essen, trinken, zahlen und belästigen niemand«), ihnen Lokalverbot zu erteilen? Es handelt sich dabei immerhin um etwa 21 Personen, die einmal die Woche nach einem demonstrativen Abendspaziergang bei ihm einkehren und bei einem Durchschnittsverzehr von 20 Euro pro Person knapp 22.000 Euro Jahresumsatz machen. Das ist nicht wenig für einen kleinen »Italiener«, der im Münchner Stadtteil Sendling seit 14 Jahren ein Lokal betreibt. Genauer: betrieb, denn der Mann ist ins Visier besagten Bezirks­ausschusses der SPD, geführt vom 71-jährigen Anwalt Ernst Dill, geraten – und hat in der Folge sein Lokal verloren.
Bei den besagten Gästen handelte es sich nämlich um die Mitglieder einer Pegida-Gruppe, die sich in der Casa Mia mit Bier und Spaghetti von der anstrengenden Wahrnehmung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung erholen wollten.
Nach einem ermahnenden Gespräch von Dill mit dem Wirt, das ergänzt wurde durch »beratende« Schreiben des Münchner Oberbürgermeisters, des Vereins »München ist bunt«, der Leiterin der Fachstelle gegen Rechtsextremismus sowie der DEHOGA prangten auf den Schaufensterscheiben der Casa Mia zahlreiche ANTIFA-Aufkleber und an der Außenwand des Lokals Graffiti des Inhalts: NAZIS VERPISST EUCH.
Dill beteuert (natürlich), er habe mit der Sachbeschädigung nichts zu tun – und er habe auch niemals den Wirt unter Druck gesetzt. Giovanni Costa, der Wirt, sieht das anders: man habe ihm Ärger angekündigt (der auch kam) – z.B. mit dem Gesundheitsamt und der Polizei (die Kontrollen durchführten) sowie Antifas, die potentielle Besucher »aufklärten«. In der Folge gingen die Umsätze kräftig zurück, etliche Stammtische blieben weg – und schließlich (2017) hat die Brauerei Anheuser Busch InBev (u.a. Franziskaner und Löwenbräu) den Pachtvertrag gekündigt, nachdem sie ein Jahr vorher noch eine Vertragsänderung, die rassistische und antisemitische Veranstaltungen ausschloß, erzwungen hatte. Anzunehmen, dass sie einen Imageschaden befürchteten, offizieller Grund waren Mietschulden (kein Wunder), die allerdings im Jahr zuvor noch höher waren.
Der 53-jährige Wirt aus Sizilien war, wie zu lesen, einst dort eine Art Held, weil er der Cosa Nostra Widerstand geleistet hat. Er ging nach München, um sich von der Mafia zu erholen – nun erholt er sich erstmal von den Deutschen.
Vor dem Eingreifen der SPD war im Stadteil jeder halbwegs zufrieden. Jetzt hat Sendling eine beliebte Kneipe verloren, ein Wirt seine Existenz, Mitarbeiter ihren Job, die SPD Sympathien und die Pegida-Leute fühlen sich nicht zu Unrecht diskriminiert. Es gibt nur Verlierer – bis auf die AfD. Die hat Wählerstimmen gewonnen.
(Quellen: NZZ, SZ, tz, Spiegel, Bild u.a.)

Kurt Otterbacher

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