Staatstheater Mainz: Glaube Liebe Hoffnung

Staatstheater Mainz: Glaube Liebe Hoffnung (Foto: Bettina Müller)Spanische Todesmelodien

Wie ein aufglühender Sonnenball blendet eine Lichtwand aus 100 grell aufscheinenden Birnen die Besucher. Aggressiv und schräg scheppert das Blech eines Prozessionszuges von zwei Dutzend in weiße Trikots gekleideten Bläsern und Bläserinnen des Bischöflichen Williges-Gymnasiums Mainz. So wird in Spanien dem Tod der Ostermarsch geblasen, nur die Spitzhauben fehlen. Die junge spanische Regisseurin Alia Luque inszeniert Ödön von Horvaths »Glaube Liebe Hoffnung« ohne großen Anlauf.

Das erste Bild des Spiels auf der Bühne des Kleinen Hauses nimmt das letzte vorweg, wenn sich die Darsteller wie neugierige Passanten drängeln, um einen Blick auf den Leichnam der armen Elisabeth zu erhaschen. Nur starren sie da noch mit ihr ins Leere, Elisabeth selbst kommt neugierig heran. Seinen »kleinen Totentanz in fünf Bildern« hat der Autor 1932 unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise geschrieben. Wegen eines fehlenden Gewerbescheins gerät die Miederwarenvertreterin in die Mühlen der Justiz, der Garaus aber wird ihr von den empathie-unfähigen Mitmenschen bereitet. Akt für Akt dreht sich die Schraube, Akt für Akt blasen die Mainzer Schüler das lärmende Lied vom Tod.

Dabei gibt es keine Figur, die sich nicht ’normal’ verhielte, doch auch keine, die nicht in jeder Situation an sich selbst dächte. An ihren guten Ruf, die Karriere und vor allem, dass ja alles seine Ordnung haben müsse, worauf Horvaths ursprünglicher Titel »Liebe, Pflicht und Hoffnung« anspielt. Auch Elisabeth trotziges »Selbsterhaltungsprinzip« trägt zum Scheitern bei. »Ich lasse den Kopf nicht hängen«, macht sie sich immer wieder Mut, und hätte vielleicht besser getan, ihn ab und an mal einzuziehen. Wenn sie ins Wasser gehe, dann deshalb, weil sie ihr Ende lieber selbstbestimme, meinte die Regisseurin im Vorfeld. Ulrike Beerbaum gibt ihrer fast schon robusten Elisabeth bis in die mitreißende Schlussszene hinein eine nie nachgebende aufmüpfige Uneinsichtigkeit.

Auf der fast kahlen Bühne verteilt Luque die restlichen Rollen quer über die Geschlechter hinweg auf fünf Schauspieler, die am Bühnenrand sichtbar von Maskenbildnern in ihre wechselnden Rollen eingeschminkt werden. Wie Gregor Trakis sich vom Straßenstrunz in die Grossistin Irene Prantl verwandelt und Andrea Quirbach von der Frau Amtsgerichtsrat zu einem Leichenpräparator im Freizeit-Look mutiert, trägt zwar mehr zum Amüsement als zum Erkenntnisgewinn bei, mindert aber nicht das überzeugende Spiel des Ensembles, zu dem auch der tolle Felix Mühlen, Nele Brückner und Zlatko Maltar gehören. Alia Luque, die hier schon mit »Bash« (Strandgut 5/2013) ein Ausrufezeichen setzte, muss man sich merken.

Wilfried Geipert
Termine: 8., 11., 18., 30. März 19.30 Uhr
www.staatstheater-mainz.de

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