Senckenberg-Museum: Fotografie-Ausstellung »Pferde«

Zwei Englische Vollblueter (Foto: Yann Arthis Bertrand)Wie gemalt

Denkt man sich den Messeturm und ein paar Hochhäuser dazu in den Hintergrund, dann könnte die vorgestellte Aufnahme von Yann Arthus-Bertrand glatt auf der Niederräder Rennbahn entstanden sein. Der Zufall wollte es so, dass die Eröffnung der dem Franzosen gewidmeten Ausstellung »Pferde« im Senckenberg Naturmuseum exakt auf den Tag der Genehmigung des Bürgerbegehrens zu Erhaltung der Rennbahn fiel. Weshalb das Bild hier auch unser Aufmacher ist. Es stammt allerdings von einer Dubliner Rennbahn und zeigt zwei Vollblutpferde in vollem Galopp.

Auf 70 großformatigen – und großartigen – Bildern porträtiert Arthus-Bertrand durchweg blendend aussehende Repräsentanten der unterschiedlichsten Pferderassen der ganzen Welt. Die Schau geht der Geschichte und Ausbreitung der aus der zwischen dem heutigen Ungarn und der Mongolei liegenden eurasischen Steppe kommenden Vierbeiner nach, widmet sich der Zucht, spezifischen Eignungen, aber auch der Pflege und der besonderen Beziehung von Tier und Mensch. Anschauliche Informationstafeln machen den Rundgang im zweiten Stock des Hauses zu einem bequemen Wissenspfad, auf dem man auch die Namen der vierbeinigen Persönlichkeiten und ihrer Eigner erfährt. Arthus-Bertrand fixiert die Objekte seiner Begierde vor einer kupferfarbenen braunen Leinwand in seine übernatürlich scharf wirkenden Bilder, die auf den ersten Blick wie Gemälde wirken. Und auf den zweiten auch. Und so sehen wir nicht nur den Prix-de-l’Arc-Gewinner Dayami, sondern auch Rheinisch-deutsches Kaltblut (»Big Ben«) und Shetland-Ponys, Lipizzaner und amerikanische Mustangs, afrikanische Berber, portugiesische Lusitanos und, man fasst es nicht, eine neue Zucht von Ökopferden aus Frankreich. Wir sehen die Menschen, die sich mit den Pferden liebevoll beschäftigen. Eine isländische Familie steht für ein Island-Pony Spalier und eine Scheichfamilie für ihren arabischen Vollblut-Hengst. Und wir sehen Schönheit, Kraft und Anmut im Übermaß. Auf den Franzosen geht übrigens auch die Schau »Wir-sind-sieben Milliarden« zurück, die vor einem Jahr über mehrere Monate im Sen-ckenberg-Naturmuseum Station machte.
Eine andere berühmte Serie von ihm zeigt im Auftrag der Unesco »Die Erde von oben«. Lohnt sich alles, bis auf den Katalog, der sehr gute Augen verlangt, weil die Farben so dunkel und die Schriften so klein ausgefallen sind.

Lorenz Gatt (Foto: Yann Arthis Bertrand)
Bis 15. März: Mo., Di., Do., Fr. 9 – 17 Uhr; Mi.  9 – 20 Uhr; Sa., So. 9 – 18Uhr
www.senckenberg.de

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