Pupille – Kino in der Uni: Entdeckungen zum Spottpreis

Zu einer bunten Kinoszene in einer Universitätsstadt gehört natürlich auch ein Studentenkino. Wenn sich die Technik verändert, das Kino, der dunkle, gemeinschaftliche Erlebnisraum, bleibt bestehen, und unter den, wie man heute sagt, Studierenden finden sich in jedem Semester Filmbegeisterte, die das Kino lieben.

An Orten, an denen man sie gar nicht vermutet hätte, trifft man sie noch: die Filmenthusiasten, die am guten, alten 35mm-Zelluloid hängen. Die Filmrollen, auch wenn sie schwer sind, und das Knattern der Projektoren – das ist eben echtes Kino. Eine Tradition, die immer mehr verloren zu gehen droht, aber in der Pupille noch gepflegt wird. Zwei Bauer B11  (Baujahr 1956) stehen oben im Projektionsraum. Mit ihnen können auch die kostbaren Kopien aus Archiven abgespielt werden, die nicht zusammengeklebt werden dürfen. Außerdem gibt einen 16mm-Projektor und ein heute unumgängliches Gerät für Festplatten bis zum 4K-Format. »Blu-rays wollen wir möglichst vermeiden«, sagt Marko Karl vom Pupille-Team, das zur Zeit 22 Mitglieder zählt.
Seit Juni 1953 gibt es dieses Kino an diesem Ort schon – die ganze Zeit von Studenten betrieben, vom ASTA unterstützt. Früher war auch der Studentische Reisedienst ein Förderer – zu der Zeit, als der Schreiber dieses Textes zum Programmbeirat zählte. Damals war das Studentenhaus, dessen Festsaal im ersten Stock als immer etwas improvisiert wirkendes Kino dient, mitten im Campus der Uni. Jetzt heißt das Domizil Studierendenhaus, und die Uni ist zum größten Teil ins IG-Farben-Haus und auf den Riedberg umgezogen. Die Nachmittagsvorstellungen, in denen man wundervoll Vorlesungen schwänzen konnte, sind längst Geschichte. Heute gibt es im Semester montags und mittwochs nur noch die Abendvorstellung um 20.15 Uhr (man beachte das akademische Viertel!).
Zu diesen festen Terminen kommen weitere Tage, manchmal auch ein Wochenende mit einem Thema. Da können Kooperationspartner ihre Filme zeigen: die Kinothek Asta Nielsen oder das Frankfurter Filmkollektiv beispielsweise. Mit Nippon Connection, dem japanischen Filmfest, das bis vor ein paar Jahren das Haus als Festivalzentrum nutzte, zeigt die Pupille über das Jahr ausgewählte Filme, ebenso mitdem Institut français, und die Filmförderungsanstalt (FFA) ermöglicht den Kurzfilm, der vor fast jedem Hauptfilm gezeigt wird.
Das Kino-Programm ist vielfältig: vom klassischen Arthouse bis zum schrägen Genrefilm ist so einiges vertreten. Jedes Team-Mitglied kann vorschlagen, muss gut begründen, abgestimmt wird nicht. Nach diesem System kommt eine äußerst interessante Mischung mit vielen Entdeckungen zustande. Wenn man an die aus ein paar zusammengestellten Tischen bestehende Kasse kommt, schauen einem erwartungsvolle Gesichter entgegen. Da freuen sich auch die Kinobetreiber auf den Film, den es gleich zu sehen gibt. Zum Spottpreis von 3 Euro.

Claus Wecker (Foto: Das Pupille-Team)
Pupille e.V. – Kino in der Uni
Studierendenhaus
Campus Bockenheim
Mertonstr. 26–28, 60325 Frankfurt
www.pupille.org

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