Portrait: Kinothek Asta Nielsen

Foto: Heide Schlüpmann + Carola Gramann

Das Kino der Frauen

Vielfältig ist die Kinolandschaft im Rhein-Main-Gebiet, und es gibt nicht nur Kinos, sondern auch Initiativen, die Filmprogramme zusammenstellen und zumeist in den sogenannten Programmkinos, also den Häusern mit einem festen Monatsprogramm, präsentieren. Eine besondere Initiative stellen wir in diesem Monat vor.

Die Frage, warum Frauen ins Kino gehen, wenn es doch von Männern und deren Blick auf die Welt beherrscht ist, habe am Anfang der feministischen Filmtheorie gestanden, sagt Karola Gramann, die künstlerische Leiterin der Kinothek Asta Nielsen. Filmbegeisterte Frauen, ob Regisseurinnen, Kritikerinnen oder ganz allgemein Zuschauerinnen, haben sich deshalb gedacht, der weibliche Blick könne doch auch im Kino wichtig und interessant sein – nicht zuletzt für Männer. Und so waren in der Gründungsgruppe auch zwei Männer. Offiziell gilt der 31. Dezember 1999 als Gründungsdatum. Die Arbeit habe die Kinothek dann im Januar 2000 aufgenommen.
Karola Gramann und Heide Schlüpmann, beide eifrige Kinogängerinnen und seinerzeit am Frankfurter Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft engagiert, sind bis heute die treibenden Kräfte. Große Resonanz haben ihre filmhistorischen Programme bekommen. 2002 eine Retro zu Germaine Dulac mit Filmen, die zwar restauriert in Frankreich bereit lagen, aber selbst dort nicht im Kino präsentiert wurden. 2007 dann die Asta-Nielsen-Retrospektive; für die Vorführung »Hamlet« stellte das Schauspielhaus seinen großen Saal zur Verfügung.
Ein Programm zusammenzustellen sei für sie wie einen Text schreiben, erklärt Karola Gramann. Es gebe auch viel zu sagen über die Rolle der Frauen im Jungen Deutschen Film der 60er und 70er Jahre. Eine Zeit des politischen Films, in dem nicht nur über die Frauen, sondern immer auch über die Gesellschaft nachgedacht wurde. Zudem sollte es häufiger gemischte Programme mit alten und neuen Filmen, geben – wie eben bei klassischen Konzerten Stücke aus verschiedenen Epochen aufgeführt werden.  
Immer steht die Frage »Wie kommen Frauen im Kino vor?« im Mittelpunkt. Dieses Interesse, das sich auch in der langjähriger Zusammenarbeit mit der Zeitschrift »Frauen und Film« ausdrückt, ist wohl der entscheidende Ansporn für die Arbeit, die in der Kinothek Asta Nielsen geleistet wird: das Kuratieren von Kinoprogrammen, die Herausgabe von Publikationen (über Asta Nielsen gibt es eine prunkvolle zweibändige Dokumentation) und das Sammeln von Filmkopien und Filmfotos. Natürlich gehört für Filmbegeisterte auch die Liebe zum Zelluloid dazu. Und die gute Vernetzung mit dem Mal Seh’n Kino, dem Deutschen Filmmuseum, dem Mousonturm und der Pupille ist eine notwendige Voraussetzung.

Claus Wecker

Weil der Amateurfilm einen besonders aufschlussreichen Einblick über weibliche Erfahrungen gibt, veranstaltet die Kinothek auch in diesem Jahr ein Internationales Festival des Amateurfilms. Es findet unter dem Titel »Privat-Vorstellung« vom 12. bis 15. November im Künstlerhaus Mousonturm im Frankfurter Ostend statt.

Kinothek Asta Nielsen, Stiftstr. 2, 60313 Frankfurt, Tel.: 920 396 34
www.kinothek-asta-nielsen.de

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