Peterchens Mondfahrt (66)

Der eine oder die andere mag sich noch erinnern: Vor eineinhalb Jahren erwählten sich die Frankfurter einen neuen Oberbürgermeister. Nun, eigentlich haben sie eher einen nicht gewählt, nämlich den von der CDU etwas blindwütig ins Feld geschickten Rechtsausleger Boris Rhein. Mit seiner Kandidatur überspannten die Christdemokraten den koalitionspolitischen Solidaritätsbogen. Stieß eine einigermaßen vernünftige und konfliktarme schwarz-grüne Zusammenarbeit noch auf Verständnis, ja sogar Unterstützung durch das grüne Wählerklientel, wurde diese Personalie als echter Affront gewertet. Nutznießer war dann der SPD-Kandidat, den zwar niemand kannte und eventuell auch gar nicht haben wollte. Und so bekamen wir dann den roten Peter, gewählt mit jenen grünen Wählerstimmen, die sich einen schwarzen Boris nicht als ihren Stadtrepräsentanten vorstellen konnten. Und das war dem Peter, der ja eh schon durch seinen innerparteilichen Sieg über den Dauerehrgeizling Michael P. überrascht worden war, auch schnell klar, als er sich am Morgen nach der Wahl überrascht die Augen rieb. Also warf er die eine oder andere Kusshand in Richtung grün, wohl auch in Hinblick auf eine mögliche rot-grüne Landesperspektive.

Für die Frankfurter Wähler war damit eigentlich die Sache erledigt, an den tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen hatte sich ja nichts geändert, Boris Rhein war verhindert, und man ging zur Tagesordnung über. Nur der Peter wusste nicht genau, was er denn nun anfangen sollte. Hin und her gerissen zwischen Kinderbetreuung und Spontanbesuchen beim sozialdemokratischen Kernwähler fiel es ihm schwer, die mediale Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten. Hier mal ein Fettnäpfchen, dort mal eine abstruse Bebauungsidee waren ja nun auch nicht das Gelbe vom Ei. Und so rauchten dann die Köpfe im OB-Zimmer, wie der Peter sich denn auch politisch ins Spiel bringen könnte, um mal so richtig die Amtskette raushängen zu lassen. Da kamen ihm dann zwei Dinge gerade recht: die Wahlklatsche für die sich schon in schwindelnden Höhen wähnenden Grünen und die konzertierten Angriffe auf die vermeintliche Schwachstelle im schwarz-grünen Stadtregierungslager, die Bildungsdezernentin Sarah Sorge. Die muss sich hauptsächlich mit maroden Schulbauten rumplagen und zugleich Kitagarantieplätze aus dem Boden stampfen. Da sah der Peter die Chance, den starken Mann zu spielen und sie schnell mal für überfordert zu erklären. Dass es mal wieder eine Frau trifft, hat in Hessen, hat auch in Frankfurt und nicht zuletzt bei den Sozis durchaus Tradition. Wirklich überfordert erscheint hier aber eher der sich als stark gebärdende Mann: blindwütige, undurchdachte Zuständigkeitsverschiebungen zeugen nicht gerade von Souveränität, geschweige denn von politischer Weitsicht. Aber mehr noch als die Grünen zeigen die Sozialdemokraten ja immer mal wieder einen Hang zum Chaos. Mehr als peinlich nur, wenn das mal wieder mit latenter Frauenfeindlichkeit einhergeht. Das sollte der Peter F. mal mit sich klären.

Mehr als peinlich auch unser Limburger Oberhirte. Der darf ja in der Meckerei auf keinen Fall unterschlagen werden. Wobei ich ja für sein Business Upgrade in die 1. Klasse sogar noch einen Hauch von Verständnis aufbringen könnte (so eine Liegekoje ist schon geil), aber dann anschließend ausgerechnet mit Ryan Air zum Heiligen Stuhl zu fliegen und sich dabei auch noch selbstgefällig fotografieren zu lassen, da hört’s dann wirklich auf.

Jochen Vielhauer

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