Museum für Angewandte Kunst: 1607

Museum für Angewandte Kunst: 1607 (© Alfons Maria Ams)Aus den frühen Tagen der Globalisierung

Die spektakulärste der vier Ausstellungen zur Neueröffnung des Museums für Angewandte Kunst stellt das Jahr 1607 in den Mittelpunkt. Es ist die Zeit Galileo Galileis und Johannes Keplers. Die internationalen Handelsbeziehungen blühen unter Einsatz massiver Gewalt auf. Die Niederländer etwa erobern ein portugiesisches Handelskontor nach dem anderen. Auch Londoner Kaufleute zeigen ein immenses Interesse am Handel mit Gewürzen, Edelsteinen, Porzellan und besonders Tee aus China. Eine drastische Klimaänderung auf dem europäischen Kontinent führt zu Missernten und Hungersnöten. Eine massenhafte Landflucht beginnt, und mit dem Druck auf die Städte entstehen soziale und religiöse Konflikte.

Um der Misere zu entfliehen, beginnt die Suche nach neuen Lebensperspektiven außerhalb Europas. 1607 wird in Nordamerika die erste dauerhafte Siedlung Jamestown von 104 Engländern gegründet. Nur 38 überleben die ersten neun Monate in einer der schwersten Dürren. Aus aller Herren Länder werden Gold, Silber, Häute, Pelze, Holz, Fisch und exotische Tiere wie Affen und Papageien in das »gierige« Europa gebracht. Waffen, Branntwein und Metalle werden gegen Sklaven, Getreide, Gold, Elfenbein getauscht. Der Orient liefert Tabak, Kaffee, Zucker, Gewürze und exquisite Porzellane. Fürsten, Adel und aufstrebende Patrizier lassen es sich wohlergehen.

Von dieser spannenden Epoche erzählt die Ausstellung 1607, die rund 200 kostbare Objekte in einem angedeuteten Schiffsbauch als moderne Archäologie inszeniert. Hier finden sich chinesische Ming-Vasen neben venezianischen Gläsern, iranische Teller stehen Seite an Seite mit deutschen Humpen, neben Silberpokalen aus Nürnberg sind Lackdosen aus Japan zu sehen. Zwei Erzählstränge betten die Objekte in den historischen Kontext ein. Die Logbucheinträge eines imaginierten Seefahrers, der zugleich Entdecker, Wissenschaftler, Diplomat und Händler ist, wird von dem Kommentar einer Archäologin begleitet. Das ergibt ein plastisches Bild jener von Umbruchstimmung geprägten Zeit und ihrer wissenschaftlichen Einordnung heute.

sp
Bis 27. April 2014; Di., Do.–So. 10–18 Uhr, Mi. 10–20 Uhr
Info: www.museumangewandtekunst.de

 

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