Museum für Kommunikation: »Treib-Gut Flaschenpost«

Holla, die Waldfee!

»Every Bottle Tells a Story«, so ließe sich anlehnend an einen Song von Rod Stewart die neueste Ausstellung im Museum für Kommunikation kommentieren, auch wenn das im ersten Moment ein wenig in die Irre führen mag. Im einstigen Postmuseum geht es natürlich nicht oder nur im Ausnahmefall um in Alkohol ertränkte Geschichten, sondern im Gegenteil um solche, die sich in Flaschen oder schwimmenden Behältern über Wasser gehalten haben, um einen Zufallsempfänger zu finden. »Mit dem Strom. Gegen die Zeit. Treib-Gut Flaschenpost« titelt die Schau. Und nicht immer sind es Trinkflaschen aus Glas oder Plastik, auch in kleinen Arzneifläschchen und gekonnt verkorkten Phiolen docken die Botschaften an den Ufern an. Selbst ein kunstvoll gefertigtes Papierfaltschiffchen ist dabei und hat etwas mitzuteilen. Rund 440 Funde und ihre Inhalte zeigt die recht übersichtliche Schau in wohlbedachter Ordnung mit Fundtag-Angabe ihren Besuchern.
Gesammelt  und sortiert hat sie der Kölner Künstler Joachim Römer überwiegend am Rhein, wo er auf seiner Suche nach Treibgut für seine Skulpturen durch den Fund einer Flaschenpost angeregt wurde, diese faszinierenden Nachrichtenträger zu sammeln. An die 2.000 Funde hat Römer seit 1999 zusammengetragen, die meisten stammen von Kindern. Und oft genug sind sie mit Belanglosigkeiten oder gar mit Blödsinn versehen: »Wer das liest ist doof« und »Holla, die Waldfee!«. Doch allen, die halbwegs ernst zu nehmen sind, ist eine kleine Antwort des Finders gewiss.
Aber die Flasche wird immer wieder auch für Wünsche Erwachsener, Vorsätze, Suche nach Kontakten oder anonymer Hilfe genutzt. Einige der Botschaften und ihre Fundgeschichten werden über Kopfhörer vermittelt, etwa die eines Mannes, der davon berichtet, wie schwer es ihm falle, seine Frau über seine tödliche Erkrankung zu informieren. Eine Frau aus Bingen hat diese Flasche samt Inhalt, nachdem sie von seinem Faible hörte, Joachim Römer überreicht. In ihrem Audiobeitrag erzählt sie, wie sie diese Flasche am Frankfurter Mainufer entdeckte und den unerklärlichen und unbedingten Drang gefüllt habe, diese aus den trüben Mainwassern  herauszufischen, was ihr mit Hilfe eines Ruderers und im Beisein einer sich sammelnden Schar von Passanten und Spaziergängern dann auch gelungen sei. Dass Joachim Römer sein Projekt als »Buch der Poesie des Lebens« versteht kommt nicht von ungefähr. Im ersten Stock des einstigen Postmuseums kann darin mit Blick auf den sich ruhig gen Mainz fließenden Main gelesen werden. Mehr als 250 Kilometer bis zu Joachim Köhlers Revier sind das von hier wohl nicht.

gt (Foto: © Joachim Roemer)
Bis 16. Oktober: Di.–Fr. 9–18 Uhr; Sa., So. 11–19 Uhr
www.mfk-frankfurt.de

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