Museum für Kommunikation präsentiert PC-Spiele zum Spüren und Ausprobieren

Schmerz lass nach!

Schon der Titel »No Pain – No Game« lässt aufhorchen. Und erst recht die Nachricht, dass er umgesetzt wird. Das reißerische Versprechen, so viel sei gleich hier verraten, löst im alten Postmuseum aber nur ein einziges Exponat, die »PainStation«, ein. Dafür aber richtig. Es darf  nur auf eigene Verantwortung benutzt werden und ist auf Basis des Uralt-Computer-Spiels »Pong« als ein Tennis-Duell konzipiert, das Fehler nicht mehr nur mit Punkten für den Gegner, sondern – autsch! – auch mit Schlägen, Peitschenhieben oder Hitzewellen bestraft. Während die linke Hand auf einer Metallplatte liegen muss, bedient man mit der rechten einen Stick. Am oberen Limit gespielt kann das nicht nur wehtun, sondern auch rote Striemen und blaue Flecken hinterlassen. Wer loslässt, hat verloren. Unter 18 darf, mit schwachem Herz soll man keinesfalls.
Eigentlich ist im zweiten Stock am Schaumainkai schon der Begriff Ausstellung verkehrt, handelt es sich doch eher um eine Gerätedemonstration. Acht interaktive Installationen warten darauf von den Besuchern, meist sind mehrere gefordert, genutzt zu werden. Und nicht immer geht es dabei um Kampf. »Amazing« etwa kann zu viert bespielt werden. Das Ziel, eine Kugel mit hohen und tiefen Tönen aus einem Labyrinth zu lotsen, ist nur im Teamwork zu erreichen. Einen anderen Computer-Oldie, die Nokia-»Snake«, gibt es als kinderbettgroßes Fitnessspiel zu erleben. In der großen Station »Soundslam« dagegen baumelt ein fetter Box-Schlagsack mit bunten elektronischen Leuchtfeldern, die es im Rhythmus einer Ansage zu gezielt treffen gilt. Wer bei hoher Treffgenauigkeit das Tempo hält, wird Schlag für Schlag mit der Melodie von »The Eye of The Tiger« belohnt. Das »Golden Calf« lädt zum Tempo-Börsenspiel ein, wobei es gilt, auf die über Screens laufenden Nachrichten mit Käufen oder Verkäufen zu reagieren. Und die »Facebox« nimmt Facebook auf den virtuellen Arm, indem sie in einer abgeschotteten Apparatur zwei Menschen vis-à-vis zu vorgegebenen Themen und Fragen herausfinden zu lassen, ob sie einander liken oder nicht.
Die Wanderschau hat übrigens das Goethe-Institut auf den Weg geschickt, die Apparate (im Fachjargon: multisensorischen Artefakte)  stammen alle von (Achtung!) dem Unternehmen /////fur////, das die Ex-Kunsthochschüler Volker Morawe und Tilman Reif einst gegründet haben, um kommunikative Alternativen zu der vereinsamenden Konsolenwelt zu entwickeln. Was fraglos auch für die 2001 kreierte, mehrfach ausgezeichnete Schmerzstation, gilt: Im Vergleich jedenfalls zu den Egoshootern beim Niedermetzeln von Feinden oder auch zum Stumpfsinn von Tennisduellen mit Computern.
Eine Mutprobe wartet gleich am Eingang der Ausstellung. Eine Mausefalle, in deren Mitte sich ein Knopf befindet, den man drücken kann – so man sich traut.

Lorenz Gatt (Foto: © MfK)
Bis 5. März 2017: Di. 9–20 Uhr; Mi.–Fr. 9–17 Uhr; Sa., So. 10–18 Uhr
www.mfk-frankfurt.de

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