A Long Way Down (Start: 3.4.2014)

 A Long Way Down (Start: 3.4.2014)Runter kommt man immer

»A Long Way Down« von Pascal Chaumeil

Treffen sich vier potentielle Selbstmörder auf einem Hochhausdach: in der vierten Adaption eines Nick-Hornby-Romans will nicht nur Ex-Bond Pierce Brosnan Schluss machen. Auch »A Long Way Down« ist von jenem klugen Hornby-Humor durchdrungen, bei dem der individuelle Jammer permanent durch Selbstironie gebrochen wird.

Silvester ist die Zeit der guten Vorsätze. Im Fall von Martin, dem Ex-Starmoderator, der nach einem Fehltritt alles verloren hat, bedeutet dies, seinen Entschluss zum Suizid in die Tat umzusetzen. Doch während er auf dem Hochhausdach mit Blick in den Abgrund eine letzte Zigarre raucht, trudelt eine weitere Lebensmüde ein. Die verhuschte Maureen will dem Selbstmordkandidaten nicht die Stimmung vermasseln und sich pietätvoll zurückziehen. Doch schon stehen mit der zynischen Jess und dem krebskranken Pizzaboten J.J. zwei weitere Lebensmüde in der Schlange. So geht das nicht! Die vier blasen ihren Freitod ab und schließen einen schriftlichen Pakt. Bis zum Valentinstag wollen sie ihr Vorhaben aufschieben; dann wird man weitersehen.

Nach »About A Boy oder: Der Tag der toten Ente«, »Fever Pitch«, und »High Fidelity« ist »A Long Way Down« bereits die vierte Nick-Hornby-Romanverfilmung. Auch diese melancholische Komödie ist vorzüglich besetzt mit Ex-Bond Pierce Brosnan als eitlem Gockel, Toni Collette als Schmerzensfrau, It-Girl Imogen Poots als neurotischer Ministertochter und Aaron Paul (»Breaking Bad«) als gescheitertem Musiker. Der schmale Grat zwischen Leben und Tod, zwischen Tragik und absurder Komik wird, nach dem Motto: treffen sich vier Selbstmörder auf dem Hochhausdach, mit gelegentlich halsbrecherischen Witzen ausgekostet.

Doch nie lacht man über diese Unglücklichen, sondern stets mit ihnen. Die Gruppenszenen bekommen stärkeres Gewicht, dennoch behält auch der Film die episodische Struktur bei, in der die Geschichten jeweils aus einem anderen Blickwinkel geschildert werden. Und das instinktive Kümmern um andere, die man buchstäblich nicht im Regen stehen lassen kann, erweist sich als beste Überlebenshilfe für den Kümmerer selbst.

Zum Motor der Handlung wird aber der mediale Rummel um den Pakt, von dem die Presse Wind bekommen hat. Medienprofi Martin sieht in rührseligen Talkshows vor allem eine Möglichkeit, mit der jeweiligen Misere ein bisschen Extrageld zu machen und vielleicht seine Karriere neu anzustoßen. Doch wenn mit aufdringlichen Journalisten auch der Elendsvoyeur im Zuschauer ein Gesicht bekommt, wird unversehens eine weitere Verständnisebene eingezogen.

Ganz im Sinne Hornbys, der den FIlm mitproduziert hat, vermeidet Regisseur Pascal Chaumeil weiträumig Sentimentalität, Pathos und wohlfeile Botschaften à la »Das Leben ist schön«. Dennoch: Sonne und Meer in Teneriffa, wohin die Viererbande einen Kurzurlaub macht, sind eigentlich Grund genug, um sich noch ein wenig länger mit dem Leben abzuplagen. Maureen jedenfalls, die seit Jahren ihren schwerstbehinderten Sohn pflegt und noch nie in Urlaub geflogen ist, findet alles toll. Martin dagegen erkennt in den Billigheimer-Bettenburgen vor allem die Fallhöhe seines gesellschaftlichen Absturzes. Es ist eben alles relativ, auch die Gründe für einen Selbstmord. Eine sympathische Komödie über ein ernstes Thema.

Birgit Roschy

A LONG WAY DOWN
von Pascal Chaumeil, GB/D 2014, 96 Min.
mit Pierce Brosnan, Tony Colette, Aaron Paul, Mogen Poots, Rosamund Pike
nach dem Roman von Nick Hornby
Tragikomödie
Start: 03.04.2014

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