Killing Them Softly (Start: 29.11.2012)

Killing Them Softly (Start: 29.11.2012)Brad Pitt in Hochform

»Killing Them Softly« von Andrew Dominik

 

Cool, cooler, Brad Pitt: der Star glänzt in dem existentialistischen Gangsterdrama als philosophierender Killer, der hinter Stümpern herräumen muß.

Es klingt wie ein todsicherer Coup. Zwei Kleinkriminelle planen den Überfall auf ein illegales Pokerspiel, das von der Mafia organisiert wird. Denn der Betreiber der Spielhölle, Marky, den jeder gut leiden kann, hat seine eigene Pokerrunde vor Jahren mal selbst abkassiert. Über seine Tat, die viel später herauskam, ist längst Gras gewachsen. Der neue Coup aber ließe sich ihm locker in die Schuhe schieben.

Zwar schaffen es Frankie und Johnny mit Ach und Krach, das Ding durchzuziehen. Doch beim Anblick der beiden Idioten weiß man schon, daß es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie hops gehen. Das Syndikat jedenfalls kann den Überfall nicht hinnehmen und schickt Jackie Cogan, einen Hitman, der dafür bekannt ist, peinlichst die Regeln zu befolgen. Cogan will, ohne Beweise und aus Gründen der Vertrauensbildung für die Spieler-Kundschaft, erst mal Marky umlegen. Doch der Auftrag weitet sich aus. Und Cogan hat Skrupel, Leute zu eliminieren, die er kennt: die heulen dann rum und rufen nach Mama. Nicht schön. Deshalb heuert er seinerseits einen Kollegen an, der sich jedoch als Rohrkrepierer entpuppt …Killing Them Softly (Start: 29.11.2012)

Die besten Männerfilme sind doch immer noch diejenigen, in denen ins Räderwerk der Gangsterwelt geblickt wird. Nach den historischen Strauchdieben in »Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford« widmet sich Regisseur Andrew Dominik nun dem zeitgenössischen Mafia-Fußvolk. Wie im Vorgängerfilm entpuppt sich der erwartete Actionthriller fast als Rededrama. Die in brutalster Ausführlichkeit und vom Geräusch brechender Knochen begleiteten Morde sind von verbalem Herumgeeier eingerahmt, in dem mit lakonischem Humor die Zwänge und Neurosen des Mobster-Berufsbildes seziert werden. Mit anderen Worten: Diese multiplexuntaugliche Gangsterballade ist eine großartige Gelegenheit, Charakterdarstellern bei ihrer Kür zuzusehen.

Neben »Goodfella« Ray Liotta, Richard Jenkins als Mafia-Bedenkenträger und James Gandolfini als abgewracktem Profikiller steht erneut Brad Pitt im Zentrum. Cogan, der pragmatische Hit-Man, der seine Aufträge so geräuschlos und ökonomisch wie möglich erledigen will, ist rätselhafter Todesengel mit philosophischem Mehrwert.

Der Film, der auf der Romanvorlage »Cogan‘s Trade« von George V. Higgins aus dem Jahre 1974 basiert, verlegt die Handlung allerdings in den Präsidentschaftswahlkampf des Jahres 2008. So laufen im Hintergrund ständig pathetische TV-Wahlkampfreden, während Cogan seine nihilistischen Sprüche zum Zustand der USA im Allgemeinen und zur Gier im Besonderen abgibt. Sein Tun soll wohl als Metapher auf die Finanzkrise durchgehen. Doch die Anspielungen wirken unnötig aufgesetzt, zumal aus dem Mund eines Gangsters, der um sein Honorar feilscht – denn die Rezession verdirbt die Preise. So ist dieser moderne Film noir, der in den verödeten Un-Orten im Post-Katrina-New Orleans spielt, ein Genrefilm mit politischen Ambitionen. Brad Pitt ist hier in seiner vielleicht besten Rolle zu sehen.

Birgit Roschy

 

Killing Them Softly
von Andrew Dominik, USA 2012, 97 Min., mit Brad Pitt, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, James Gandolfini, Vincent Curatola, Richard Jenkins
nach »Cogan‘s Trade« von George V. Higgins
Thriller
Start: 29.11.2012

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