»Ich und Kaminski« ab 17.9.2015 im Kino!

Ich und Kaminski (ab 17.9.2015 im Kino)Wege zum Ruhm

»Ich und Kaminski« von Wolfgang Becker

Hoch über dem Tal residiert der greise Maler Manuel Kaminski. Der Mann ist eine Legende, soll er doch am Ende seiner Schaffenszeit erblindet sein, und da auch noch gemalt haben. Jetzt wird der einst gefeierte Künstler, der ein Schüler von Matisse war und mit Picasso befreundet, von seiner Tochter Miriam abgeschirmt.

Hoch hinauf will der Kunstjournalist Sebastian Zöllner, zunächst jedenfalls im übertragenen Sinn. Er plant eine große Monographie über den Meister und hat auch schon den richtigen Verleger für den geplanten Bildband gefunden. Der hoffnungsvolle Biograph fährt mit der Bahn in die Alpen, um die Malerlegende zu befragen. Er würde gern ein Taxi hinauf auf den Berg nehmen, aber unten in der Dorfpension verheimlicht man ihm die Straße, und so wird der Aufstieg zum Ruhm für Zöllner auch körperlich anstrengend.
Dem direkten Kontakt mit Kaminski steht erst einmal dessen Tochter im Weg. Zöllner soll mit ihr reden, denn um die Gesundheit des alten Herrn ist es nicht gut bestellt. Aber so einfach lässt sich der von sich selbst eingenommene Kunstkritiker nicht abschrecken. Er nutzt Miriams Abwesenheit und fährt mit Kaminski zu dessen tot geglaubter Geliebten Therese. Es wird eine Irrfahrt quer durch Deutschland, vom schäbigen Hotel in der Provinz zur Luxuswohnung in Berlin, in der Zöllner mit seiner Freundin Elke lebt, die gerade dabei ist, ihn hinauszuwerfen. Schließlich geht es an die Küste, wo Therese mit Holm in einem spießigen Einfamilienhaus wohnt.
Daniel Kehlmanns Erzählung, die ein wenig großspurig Roman genannt wird, kam 2003 heraus. Es ist ein Buch über die Kehrseite des Ruhms und die Skrupellosigkeit von Kunstbetrieb und Medien, mit dem Kehlmann schon vor seinem großen Bestseller »Die Vermessung der Welt« andeutete, dass auch er den Weg zum Ruhm eingeschlagen hatte. Was er mit knappen Strichen skizziert hat, wird nun von Wolfgang Becker und dessen Koautor Thomas Wendrich mit dickem Pinsel ausgemalt. Das Buch verhält sich zur Verfilmung wie eine Zeichnung zu einem Ölgemälde.
Becker hat ja bereits mit »Good Bye, Lenin!« sein Talent zur Realsatire bewiesen. Damals wollte Daniel Brühl als beflissener Sohn seiner Mutter nach langwierigem Koma den Untergang der DDR ersparen. Deshalb täuschte er hektisch eine DDR vor, die ihrerseits Sozialismus und Demokratie vorgetäuscht hatte. Jetzt ist Brühl als Zöllner so überzeugend wie schon lange nicht mehr in einem Film unterwegs. Und vor allem so komödiantisch, wenn er die Situationen, in die er gerät, falsch einschätzt. Mit Hochdruck verfolgt er sein Ziel und schreckt dabei auch vor unlauteren Mitteln nicht zurück, und der Film fügt seinen Tricks noch eine erotische Phantasie mit Miriam (Amira Casar) hinzu. Ein Glücksgriff ist auch Jesper Christensen in der Rolle des widerborstigen Alten, der, blind oder nicht, seinem jungen Verehrer an Manipulationskunst nicht nachsteht. Aus dem Gezerre zwischen den beiden, die sich immer ähnlicher werden, entwickelt sich eine grandiose altersweise Komödie, die beste in diesem Sommer.

Claus Wecker
ICH UND KAMINSKI
von Wolfgang Becker, D 2015, 119 Min.
mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Geraldine Chaplin, Denis Lavant, Bruno Cathomas
nach dem Roman von Daniel Kehlmann
Satire
Start: 17.09.2015

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