Fiat electro (115)

Das Elektroauto ist auch so ein tragischer Fall. Da hat man die Automobilindustrie in eine verschimmelte Technologie gelockt, um die Welt zu retten. Die Autojungs haben brav Milliarden investiert, doch die Welterrettungskutschen kauft keiner. Erstens sind sie viel zu teuer, zweitens viel zu umständlich, drittens von begrenzter Reichweite, viertens ohne Zukunft.
Jetzt will die Automobilindustrie in Tatgemeinschaft mit der Politik – so viel Spaß muß sein – gemäß der genialen Abwrackprämie auf die der geniale Herr Steinbrück so stolz war, 5000 Euro Prämie für jedes neue Elektroauto haben. Womit die Karren dann immer noch stücker 5.000 Euro teurer sind als ein normaler Benziner.
Dabei wird gerne verwiesen auf den Erfolg von Tesla. Das ist ein recht hübscher Elektrosportwagen, aber trotzdem ein Lifestyle-Produkt für reiche Leute, die sich das Auto ganz ohne Prämie und nur so zum Angeben leisten können. Ein wirklich schönes Auto – sagen wir einen Aston Martin DB9 – traut sich ja keiner mehr zu fahren, aus Angst, irgendein Autonomer oder ein Greenpeacer würde die Kiste verkratzen oder an Occupy-Tagen womöglich abfackeln. Und dagegen hilft dann auch keine Versicherung, obwohl das den Aston-Martin-Absatz in Deutschland sicher ankurbeln würde. Für die Versicherung ist es Vandalismus, für die Autonomen und viele Linke eine radikale politische Aussage. Was soll‘s, bei uns kann jeder nach seiner Façon selig werden. Mit Ausnahme natürlich von den Reichen. Von wegen Nadelöhr und so.
Die Tage des autonomen Autofahrens sind ohnehin gezählt – das steht überall zu lesen. Das schreiben Leute, die den Finger direkt am Puls des Fortschritts halten, der ihrer Meinung nach darin besteht, aus Autos fahrbare iPhones zu machen. Ein Auto, das mit einem quatscht, einen belehrt, einem sagt, was man gefälligst zu wählen hat und einen warnt vor No-Go-Areas. Das wird unterstützt von Versicherungsverträgen, die einem einen Malus aufbrummen, wenn man, sagen wir, im Mai Kreuzberg ansteuert. Und von Assistenten, die das Auto automatisch abstellen und einparken, wenn der Blutzuckerspiegel bedenkliche Werte erreicht oder das Adrenalin, wenn der Puls sich auf 180 erhöht oder der Lärmpegel durch, sagen wir, eheliche Auseinandersetzungen im Auto 40 dezibel übersteigt. Wobei natürlich allerlei Ausnahmen einprogrammiert werden: das typische Geräuschmuster einer Gebärenden, das Keuchen von jemandem, der gerade ins Krankenhaus gebracht werden soll, und der Rennsportmodus, der sich allerdings nur in extra dafür gekennzeichneten Areas einschalten läßt.
Ein Sportwagen hat als Zusatzausstattung einen Racing-Assistenten. Bei BMW heißt er Schumacher (+1.000 Euro), AUDI hat Vettel (+1.200), MERCEDES, stilvoll und geschichtsbewußt, Fangio (+2.000).
Für uns Gelegenheitsracer gibt es ein kleines Gratis-Tool von Google, das uns bei einem perfekten Powerslide assistiert, falls es unsere Mobilitäts-Daten abgreifen darf. Bei all dem Quatsch wird kein Elektroauto mehr dabei sein. Die Wette gilt. Die Frage ist: was soll dann an Autofahren noch Spaß machen?

Kurt Otterbacher

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