exground filmfest: Die Unabhängigen

Publikumsfestival nennen sich Filmfestivals gerne, auch wenn in den Vorstellungen fast ausschließlich das sogenannte Fachpublikum zugegen ist. Also Leute, die von Berufs wegen ins Kino gehen. Nicht so bei dem Festival, dem wir in diesem Monat unsere Kino-Reihe widmen. Es ist ein Publikumsfestival im besten Sinne.

Auf 26 Jahre schaut Andrea Wink zurück. So lange organisiert sie im Team mit wechselnder, ehrenamtlicher (das muss man betonen) Besetzung dieses Filmfest, das vermutlich jeder Kinobegeisterte im Rhein-Main-Gebiet schon einmal besucht hat. Hier waren von Anfang an die Filme fern vom Mainstream zu sehen, und zwar durchweg interessante, oft spannende und unterhaltsame, manchmal auch recht kryptische Werke der Independents, kurz auch »Indies« genannt. Oft bietet exground die einzige Gelegenheit, wichtige Filme, die dennoch keinen Verleih finden, in der Region auf der Leinwand zu sehen. Und die Leinwand des Festival-Zentrums befindet sich auch noch in der wunderschönen Caligari Filmbühne. Mit dem zweiten Festivalkino, dem Murnau Filmtheater am Hauptbahnhof, ist eines der bestgeführten Programmkinos in Hessen eingebunden.
Feste Bestandteile sind in jedem Jahr unabhängige US-Produktionen (»American Independents«), neue asiati­sche Filme (»News from Asia« – heute im Rahmen der Reihe »International«) sowie internatio­nale Lang- und Kurzfilmprogramme – vielfach als Europa- oder Deutschland-Premieren. Aufgewertet wird das Programm durch wechselnde Länderschwerpunkte, beispielsweise von Spanien, Großbritannien, Frankreich, Kanada, Benelux, Schweden und Lateinamerika, um nur einige zu nennen. Regisseuren wie Pedro Almodóvar, Michael Haneke, Mike Figgis, David Cronenberg und Roy Andersson waren Retrospektiven gewidmet. Und ein großer Spaß ist die Abschlussveranstaltung mit neuen Kurzfilmen aus Deutschland, aus denen die Zuschauer ihre Favoriten wählen, für die insgesamt 6.000 € und neuerdings auch ein Sachpreis im Wert von 2.000 € ausgelobt werden. Da die Vorführung schon früh ausverkauft ist, gibt es eine weitere am Dienstag (15.) im Murnau Kino.
Im Jahr 2002 vergab eine Fachjury erstmals exgrounds ON-VIDEO-Preis für den besten internationalen Kurzfilm auf Videoformat in Höhe von 1.000 Euro. Anfangs galt es, auch Nachwuchskünstlern, die aus Kostengründen ihre Werke nicht auf Filmmaterial drehen konnten, ein Forum zu bieten. Inzwischen werden so viele künstlerisch interessante und professionell produzierte Kurzfilme von maximal 20 Minuten zum Internationalen ON-VIDEO-Wettbewerb eingereicht, dass sich die Zahl der Vorführungen deutlich erhöht hat. Durch die zunehmende Digitalisierung des Kinos wurde dieser Wettbewerb auch für andere Formate geöffnet und in »Internationaler Kurzfilm-Wettbewerb« umbenannt.
In diesem Jahr setzt »Fokus: Iran« einen Schwerpunkt. Schon der Eröffnungsfilm, das Drama »Valderama« von Abbas Amini kommt aus diesem Land. Aber auch Filme von im Ausland lebenden Iranern werden gezeigt. Etablierte Filmemacher und Filmstudenten sind zudem mit Kurzfilmen vertreten. Mit den Filmen, den eingeladenen Filmemachern und nicht zuletzt mit einer Podiumsdiskussion soll für ein besseres Verständnis zwischen Iran und Deutschland geworben werden. Und als Nachspielorte fungieren das Frankfurter Studentenkino Pupille und das Darmstädter Programmkino Rex. Schon seit Jahren bietet Orfeos Erben in Frankfurt eine Gelegenheit, die Gewinnerfilme der Kurzfilm-Wettbewerbe zu besichtigen. Wie andere lokale Filmfeste wächst auch exground zu einem Rhein-Main-Festival heran.

Claus Wecker (Foto: Andrea Wink)
exground filmfest, 11. bis 20. November in Wiesbaden, Festivalzentrum in der Caligari Filmbühne, Marktplatz 9, 65183 Wiesbaden. Info: www.exground.com

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