»Der Sommer mit Mamã« ab 20.8.2015 im Kino!

Der Sommer mit Mama, © Gullane Filmes/Aline ArrudaFöhlich gegen Standesregeln

»Der Sommer mit Mamã« von Anna Muylaert

LÄUFT IM: HARMONIE

Man muss sie einfach mögen, diese Val. Wie sie das Haus von Don Carlos in Ordnung hält, immer für saubere Wäsche sorgt und wie sie sich um Fabinho, den 17-jährigen Sohn von Don Carlos und Doña Bárbara kümmert, den sie wie eine Mutter liebt. Mit so einer fleißigen Haushälterin, die von früh bis spät arbeitet und es obendrein versteht, sich dezent im Dienstbotenbereich aufzuhalten, braucht sich die wohlhabende Familie um ihr Haus keine Sorgen zu machen.

Aber auf der guten Seele lastet ein Schatten. Denn um in der Stadt São Paulo eine gesicherte Arbeit zu finden, hat sie vor vielen Jahren ihre eigene Tochter in der Provinz zurückgelassen. Nun ist Jéssica groß geworden, und es zieht sie ebenfalls in die Stadt. In São Paolo will auch sie ihr Glück finden. Sie ist zur Aufnahmeprüfung für ein Architekturstudium eingeladen und plant, erst einmal bei Mama unterkommen, um dann in Ruhe ein Zimmer zu suchen, sollte sie die Prüfung bestehen und an der Uni angenommen werden.
Natürlich freuen sich alle – vielleicht auch ein wenig oberflächlich – mit Val, dass deren Tochter kommt, und zurückhaltend-freundlich wird das junge Mädchen, das ungefähr in Fabinhos Alter ist, empfangen. Bei der Führung durchs Haus nimmt Jéssica sogleich im Gästezimmer der Familie Quartier. Das ist die erste Peinlichkeit für Val, die eine Matratze neben ihrem Bett vorbereitet hat. Und dabei bleibt es nicht, für Jéssica existieren keine Klassenschranken. Wenn ihre Mutter verschlafen hat, lässt sie sich auch mal von Doña Bárbara das Frühstück in der Küche zubereiten. Zumal die Küche Treffpunkt für alle und eigentlicher Mittelpunkt des Hauses ist, in der allerdings ungeschriebene Gesetze zu beachten sind. Es gibt Eiscreme fürs Personal und eine besondere Sorte für Fabinho, an der sich Jéssica ungefragt vergreift, nachdem sie ihr einmal angeboten worden ist.
Es macht viel Spaß, dem Wirbelwind Jéssica beim nonchalanten Ignorieren der Standesschranken und Val beim Sich-über-die-Tochter-Echauffieren zuzuschauen. Eine soziale Auseinandersetzung erhält das Gewand eines durchaus amüsanten Generationenkonfliktes. Glaubt man der in São Paulo geborenen Anna Muylaert, so befindet sich das ganze Land in einem Übergang, den die Regisseurin realistisch darstellen wollte.
Die in Brasilien bekannte Regina Casé spielt Val, als habe sie ihr ganzes Leben nichts anderes getan, als reiche Familien zu bedienen. Mit ihrem – oft verschmitzten – Charme weiß sie auch ein Publikum auf ihrer Seite, das ihr Standesdenken für völlig überholt hält. Neben ihr behauptet sich die jugendliche Camila Márdila in der Rolle der unbekümmerten Jéssica.
Als diese schließlich auch noch beginnt, beiden Herren des Hauses den Kopf zu verdrehen, ist die Geduld von Hausherrin und Haushälterin endgültig erschöpft: eine neue Unterkunft für Jessica muss angemietet werden. Doch der Platz, an den die neue Studentin Jéssica so richtig hingehört, ist nicht so leicht zu finden. Nach einigem Hin und Her kommt es schließlich zum versöhnlichen, etwas märchenhaften Filmende, mit dem die Zuschauer beschwingt in den Abend entlassen werden.

Claus Wecker

DER SOMMER MIT MAMA
(Que horas ela volta?)
von Anna Muylaert, Brasilien 2015, 111 Min.
mit Regina Casé, Camila Márdila, Karine Teles, Lourenço Mutarelli, Michel Joelsas, Anna Muylaert
Drama
Start: 20.08.2015

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