Beichtbuden für Geheimniskrämer

MMK-Zollamt: Pssst

Zu den persönlichsten, wenn nicht intimsten Orten eines jeden Gassenjungen gehört der Platz in der eigenen Hosentasche. Nicht nur, weil es dort warm ist: Hier hat er sein Geld und so manches andere, was auf keinen Fall verloren werden darf und was nicht jeder sehen soll. Moni Port hat 50 Kinder überredet, ihre Hosentaschen umzustülpen und präsentiert ihre Funde in kleinen Plastikboxen wie Kunstwerke mit einem Hinweis von wem, wo und von wann diese stammen.

Auch wenn es einen gewissen Überhang aus Frankfurt gibt, so ist das Ganze doch eine schöne Idee, die in den kommenden vier Wochen durch Funde bei den Besuchern der Ausstellung PSST! im MMK Zollamt ergänzt werden soll. Insgesamt 16 Künstler stellen in dieser ersten vorrangig für Kinder konzipierten Kunstschau Arbeiten zum Thema »Geheimnis« aus. Acht davon gehören der Frankfurter Ateliergemeinschaft »Labor« an, die anderen sind im Umfeld des britischen Kindermagazins »Anorak« engagiert.

Obwohl viele Möglichkeiten zum Aktivwerden bestehen, soll das in Kooperation mit dem Kindermuseum an der Hauptwache konzipierte »Psst« kein Event-Park werden und in erster Linie die Neugier der jungen Besucher wecken. So hat Gemma Correll ein knallrotes Pappmonster mit fürchterlichem Haigebiß geschaffen, in dessen Mund sich eine kleine Überraschung greifen läßt, so man den Mut hat hineinzugreifen. Das Frankfurter Duo »von Zubinsky« (Kirsten Fabinski, Zuni Fellehner) hat sich eine »Beichtbude« einfallen lassen, eine kleine verhängte dunkle Kammer, in der man ein Geheimnis oder auch ein Geständnis auf einen Zettel notieren und diesen anschließend schreddern kann, was dann garantiert nicht mehr nachzuprüfen ist. Matthew Bromley zeigt, wie man als Graffity-Maler unerkannt bleibt und trotzdem bekannt wird, Philipp Walter enthüllt das Innenleben des Wals und Christoph Fellehner hat den Mister Bla-Bla gebaut, dem man Sachen ins Ohr flüstern kann, die sich aus seinem Mund so komisch anhören, daß man sie selbst nicht mehr versteht. Und vieles mehr.Pssst: Moni Port, Hosentaschenfundstücke

Der Psst!-Prospekt des MMK geht überdies auf die Bedürfnisse der bilingual erziehenden Northend-Mothers ein und ist, wie man das erwarten darf, zweisprachig in Deutsch und Englisch verfaßt. Partner des MMK ist das Kindermuseum an der Hauptwache.

Lorenz Gatt
Pssst. Im MMK-Zollamt
bis 27.1.2013
www.mmk-frankfurt.de

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