Ausblick Staatstheater Darmstadt: Tanzchoreografie »Ghost Track«

Treibende Beats an indonesischem Gamelan

Die Frankfurter Buchmesse 2015 gab auf den verschiedensten Ebenen die Gelegenheit, tief in das kulturelle Leben ihres Gastlandes Indonesien einzutauchen. Der Abschluss und Höhepunkt der vielen Veranstaltungen um den sich mit mehr als 300 Völkern mit eigenen Sprachen und Dialekten in kultureller Vielfalt präsentierenden Inselstaat steht noch aus: der Auftritt der niederländischen Tanzgruppe LeineRoebana mit »«Ghost Track« im Staatstheater Darmstadt am 5. November.
LeineRoebana wurde 1990 von den Choreografen Andrea Leine aus den Niederlanden und Harijono Reobana aus Indonesien gegründet. In ihrem Stück »Ghost Track« – einem gut 90-minütigen Abend – geht es dem Duo um das Zusammenführen der traditionellen Tanzkultur aus dem indonesischen Java mit ihrem eigenen, westeuropäisch geprägten, modernen Stil. Roebana hat zwar indonesische Wurzeln, hatte aber bislang selbst nichts mit der sehr erdigen, auf exakten kantigen und eckigen Bewegungen beruhender und sehr springfreudigen javanischer Tanzform zu tun. Über das Einüben derselben und dann wieder deren Auflösung waren fünf westliche und drei indonesische Tänzer in mehreren Arbeitsphasen befasst, ehe das Stück 2012 in Jakarta uraufgeführt wurde.
Auslöser für »Ghost Track« war der Klang der Gamelan-Musik, die für unsere Ohren zunächst fremd klingt und eine neue Art des Hörens erfordert. Allerdings erklingt jetzt auf der Bühne live ein mit Elektronik kombiniertes, erneuertes Werk des indonesischen Komponisten Iwan Gunawan, dessen Rhythmen sich leichtfüßig zwischen Volkstümlichkeit und Minimal Musik bewegen und daher nicht zufällig an Steve Reich und Philip Glass erinnern.
In  »Ghost Track« wird keine Geschichte im üblichen Sinne erzählt, auch wenn es einzelne Passagen gibt, die mythische Stoffe andeutungsweise transportieren. Aus dem intensiven Zusammenspiel der Tänzer, Musiker und Sänger entwickelt sich ein Gesamtbild, das Raum für mehrdeutige Interpretationen lässt. In den Soli, Duetten und Ensemble-Szenen zeigt sich die Auseinandersetzung mit einer stark körperbetonten und körperbasierten Formensprache des javanischen Tanzes. So entsteht ein west-östliches Gesamtkunstwerk, das ohne Klischees auskommt und dem Osten ebenso viel Ausgelassenheit zugesteht wie dem Westen Verinnerlichung. Ein Abend, der mit treibendem Beat mitreißt und dann auch wieder Momente des Innehaltens und der Ruhe ausstrahlt. Ein Abend, der auch im Hinblick auf die Vergangenheit Indonesiens mit den Niederlanden als Kolonialmacht, eine interessante Begegnung der Menschen auf der Bühne darstellt.

Walter H. Krämer (Foto: © Dan van Meer)
Termin: 5. November, 19.30 Uhr
www.staatstheater-darmstadt.de, www.leineroebana.com

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