Alte Oper:
Das Kinder- und Jugendprojekt »Pegasus«

© Achim ReissnerRabauken im Konzertsaal

Redaktionelle Ankündigungen für »Pegasus«, dem Kinder- und Jugendprogramm der Alten Oper, haben für Printmedien und deren Nutzer etwas Frustrierendes. Bis sie erscheinen, sind die meisten Angebote schon nicht mehr zu haben.  Insbesondere die Reihen für die Kleinsten, »Entdecker« und »Rabauken«, sind riesig nachgefragt und schon wenige Stunden nach der Freigabe vergriffen und ausverkauft. Karten für ein Konzert von  Justin Biber oder Miley Cyrus zu bekommen, wäre dagegen wohl ein Kinderspiel.
Die Alte Oper baut ihr vor vier Jahren ins Leben gerufenes Kinderprogramm »Pegasus – Musik erleben« deshalb Jahr für Jahr aus und findet im Frankfurter Oberbürgermeister, der ja auch dem eigenen Aufsichtsrat vorsitzt, ihren obersten Antreiber. Mit gutem Grund: Kulturelle Bildung, so sickert es allmählich auch in den Köpfen der Politiker durch, ist gesellschaftlich hochrelevant und kann als ein persönlichkeitsprägendes Element gar nicht früh genug beginnen.
Für die Geburtsjahrgänge von 2013 bis 2015 ist die »Entdecker«-Reihe unter dem Motto »Hören, Staunen, Mitmachen« gedacht, die sowohl für kleine Krippengruppen als auch für Familien ausgeschrieben ist. Jeweils 50 Minuten dauern diese Sessions, in denen es in professioneller Begleitung um »Töne, Tänze, Träume«, um »Trommel wirbeln« oder auch »Klänge schweben« geht. Oder um »Schiffe im Töne-Meer«, für das – um ein Beispiel zu geben – ein Akkordeonist, eine Violin-Spielerin und eine Moderatorin samt Flöte im Einsatz sind.
Die Reihe »Rabauken und Trompeten« für Kinder von 3–6 Jahren behandelt das Entstehen von Klangwelten aus dem Zusammenwirken von Instrumenten. Die Musiker sind sich dabei durchaus gewahr und vorbereitet, wenn es ihre jungen Zuhörer nicht lange aushalten auf den Bänken und sich »Das Land der Farbenklänge« auch mal näher anschauen wollen. Unter dem Titel »Rabauken on Tour« werden Veranstaltungen für Kindergärten und für Familien in der Region durchgeführt. Bislang stehen Preungesheim, Griesheim, Hofheim und Kronberg auf dem Fahrplan, weitere sollen folgen.
Aus der Vielzahl von Angeboten für Kinder ab 5 Jahren sei hier neben den Familien- und Schülerkonzerten unbedingt die neue Reihe »Anklang« erwähnt. In dieser geht es um die menschliche Gabe des Hörens, die durch den allseits wachsenden Lärm auch immer mehr Erwachsenen abhandenkommt. In Kooperation mit Dr.-Hoch’s Konservatorium durchläuft eine ausgewählte Gruppe von Viertklässlern über die Dauer eines Jahres sechs mehrstündige Workshops, die sich mit der Sensibilisierung des Hörens beschäftigen. Lehrer können für dieses privilegierte »Hörstipendium« aber erst wieder für die Saison 2016/17 Vorschläge machen.
Für ältere Schüler gibt es Workshops, wie »Händel reloaded« oder das Projekt »Rhapsody in School«, das Künstler aus dem laufenden Konzertprogramm in die Schulen bringt, und vieles mehr. Zu Pegasus gehören auch Konzerte des hr-Sinfonieorchesters »Für kleines Geld« oder – ab 14 Jahren – die Realisierung von John Cages »Cage Variations IV«.
Mehr als 31.000 Menschen haben die 108 »Pegasus«-Veranstaltungen im vergangenen Jahr besucht, gut ein Drittel davon in Produktionen für Kinder von 0–6 Jahren. Bei einer Auslastung von nahezu 100 Prozent drückt der Zuwachs von zehn Prozent freilich nur das Mehr an Kapazitäten aus. Wenn das Angebot 2015/2016 nun trotz der immensen Nachfrage um nur sieben auf 115 Termine wächst, so tröstet es wenig, dass es vor vier Jahren zum Start nur halb so viele waren. Es liegt an den Ressourcen, die für diese zuschussabhängigen Veranstaltungen insbesondere von der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Dass die Alte Oper durch die Reglementierung des Ticketkaufs – Eltern dürfen für ihre Kinder lediglich zwei Aufführungen buchen – mehr Gerechtigkeit anstrebt, ist keine Lösung, sondern Mangelverwaltung.

gt
Infos www.alte-oper.de

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