Wiesbaden-Biennale 2018: »Bad News« bringt Kunst rund um die Gürtellinie

Sie können ja nix dafür, die Kuratoren der nunmehr zweiten Wiesbaden-Biennale: dass man nun mehr noch als bei ihrer ersten dem alten Format »Neue Stücke aus Europa« nachtrauert.
»This is not Europe« lautete 2016 die etwas schnäubige Replik im Motto der neuen Kreation, die das vor Ort brach liegende Feld des performativen Theaters bestellte, um Künstler und Acts, die es sonst allenfalls im Mousonturm , Berlin oder Frankfurt zu erleben gibt, in die betuliche Landeshauptstadt zu bringen. Das aber taten Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer mit Erfolg: Sie realisierten ein Event, von dem über grandiose Auftritte wie etwa Silvia Calderonis Performance »MDLSX« und etliche andere hinaus auch der himmlische Biennale-Garten am Warmen Damm, die Nutzung des Schauspielhauses als Grandhotel oder Dries Verhoevens Beerdigungsrituale bestens in Erinnerung sind. Letztere trugen Tag für Tag gesellschaftliche Werte zu Grabe, darunter die Privatsphäre im Beisein von Gina-Lisa Lohfink.
Die Wiesbaden Biennale 2018 wartet mit 25 Künstlern und Ensembles auf, ihr Motto »Bad News« ist nicht minder kryptisch wie das alte und wirkt bemüht. Zentrum der Neuauflage sind die als »Hinterland« ausgerufene verwaiste City-Passage und die zum »Migrantenstadl« erkorene Theateraußenspielstätte Wartburg in der Schwalbacher Straße, der man einen Hauch von Neu-Kölln attestieren darf. In der Ex-Passage – und auch außer ihr –findet der Besucher Installationen und Interventionen von einem knappen Dutzend Künstlern, darunter Rabih Mroué, Markus Öhrn oder Marlene Monteiro Freitas sowie ein revitalisiertes Pornokino, das bei freiem Eintritt Erik van Lieshouts »Sex Is Sentimental« von 11 Uhr bis 18 Uhr in der Dauerschleife serviert,
Sex sells gilt auch für die traditionelle Spielstätte des Staatstheaters, der die Biennale nicht mehr viel zuzutrauen scheint und der »Nachnutzung« zuführt. Während das Studio im Keller »Performatives Pornokino« mit Soloarbeiten zwischen Peformance und Videokunst von Katy Baird, Rosana Cade, Kim Noble und Samira Elagoz zeigt und tagsüber zwischen 11 und 18 Uhr im »Porno-Loop« Videoarbeiten dieser Künstler, wird die große Bühne nach dem Vorgriff des Michigan Theatre Detroit als Parkhaus genutzt – und abends, allerdings auf Arthaus-Niveau und in Kooperation mit dem Caligari, in Wiesbadens erstes Autokino verwandelt.
Bühnenkunst mit bekannten Ensembles gibt es immerhin noch im Kleinen Haus und im Malsaal. Das wohl spannendste der Gastspiele, Milo Raus »Five Easy Pieces« (Foto), das die Geschichte des belgischen Mörders Marc Dutroux von Kindern darstellen lässt, war bereits im Mousonturm zu Gast und ist sehr zu empfehlen. Weitere Gäste dort sind Gob Squad, Monster Truck und Vincent Glowinsky.

gt (Foto: Phile Deprez)
Vom 23. August bis 2. September 2018
www.biennale-wiesbaden.eu

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