Titania Bockenheim: Das Freie Schauspiel Ensemble inszeniert »Maria Stuart« als Duell der Powerfrauen

Zwei Frauen: zwei Königinnen. Die eine von Schottland, Maria, schön und begehrt, aber entmachtet, auf der Flucht festgesetzt von der anderen, Elisabeth, ehelos aber Königin von England, machtbewusst und staatstragend. Schwestern nennen sie sich bei Schiller, verwandt sind sie über ihren gemeinsamen (Ur-)Großvater, Heinrich VII – die eine, Maria, ganz legal, die andere Spross einer etwas anrüchigen Verbindung Heinrich des VIII, von diesem aber als Erbin und Thronfolgerin bestimmt. Die eine seit 19 Jahren unter Hausarrest, des Hochverrats angeklagt, möchte raus aus dem Knast, um wieder so intensiv wie möglich das Leben zu genießen, das ihr – wie sie meint, zu Unrecht – vorenthalten wird. Die andere hat die Macht und benutzt sie planvoll und umsichtig, wenn auch nicht unbedingt mit Begeisterung (»Oh Sklaverei des Volksdienstes …«). Doch unter ihrer Herrschaft erblüht ein ganzes Zeitalter.
Beider Schicksal ist, zumindest bei Schiller, vom einflussreichen männlichen Adel bei Hofe mitbestimmt, mit Auswirkungen sowohl auf der Gefühlsebene, aber auch auf politische Entscheidungen, Intrigen, Hass, Liebe, Angst als Motor der Handlungsweisen.
Die Inszenierung des Freien Schauspiel Ensembles unter der Regie von Reinhard Hinzpeter konzentriert sich ganz auf die diese Frauenfiguren und ihre Dilemmata in einer Männerwelt: Elisabeth, die handelt, wie sie eigentlich nicht will, wenn sie das Todesurteil dann doch vollstrecken lässt, Maria, die auf eine faire Behandlung pocht und zunächst die Gefühle ihrer Kusine versucht anzusprechen. Der dritte Akt der Schillerschen Tragödie erfindet die Begegnung der beiden Powerfrauen und wird so das Herzstück der Inszenierung: Bettina Kaminski verkörpert die an ihrer Verantwortung festhaltende Elisabeth, Neda Rahmanian die gefühls- und lebensbetonende Maria Stuart. Wie fällt der Blick in das Innere dieser Protagonistinnen in einer patriarchalisch bestimmten Gesellschaft aus, welchen emotionalen Zwickmühlen sind sie ausgesetzt und wie berührt diese vielleicht auch frauenspezifische Auseinandersetzung mit sich und der Gesellschaft in verantwortungsvollen Positionen uns heute? Wir dürfen gespannt sein.

ks (Foto: Bettina Müller)
Termine im Titania Theater: 23., 24.3., jeweils 20 Uhr; 27.3., 19.30 Uhr
www.freiesschauspiel.de

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