Theaterperipherie präsentiert die »Supergrrrls – 8 Jahre später«

Zunächst müssen sie wieder zusammengerufen werden, Die Supergrrrls von damals, 2013 (vgl. Strandgut Januar/2014) jetzt Superfrauen (was man ihnen nicht sofort ansieht), »Hallo, seid ihr alle da« – so ruft Silvana Morabito ihre Gefährtinnen von früher zusammen – Susanne Kaiser ist nicht da und bleibt auch verschwunden … Tatsächlich erreicht ihr Ruf zwei von damals fünfen, nicht von ungefähr eine in der Wüste … auf der Suche nach Wasser?, von Sand bedeckt? Schließlich hat auch die Sahara biographisch eine Rolle gespielt bei Suleika Ahmed-Ali, wie bereits im Vorcorona-Interview (Strandgut 12/20) zum ursprünglich geplanten Start von Supergrrrls 2 zu lesen war. Auch die dritte, Antonia Jungwirth. schüttelt den Sand ab und erhebt sich in voller Größe vom Boden. Die drei bemerken das Publikum im Bockenheimer Titania und sind bereit, sich diesem nach diesen sieben oder acht vergangenen Jahren neu zu präsentieren. Ging es damals, in »Supergrrrls 1«, hauptsächlich um Abgrenzung gegen Rollenzuschreibungen von Gesellschaft und männlichen Sichtweisen, so diesmal um die eigene Suche nach Bezugsquellen für Energie und Identität. Da muss zuerst mal der Stecker – wer weiß wo diese Leitung hingeführt hatte – gezogen werden, um dann zu gucken, welche Ziele denn angestrebt werden sollen. »Schön« und »interessant« soll frau sein, warum? Und ist es eine Lösung, »unsichtbar« zu werden, wie es der Karrierecoach empfiehlt?
Doch dieser Ton kommt nicht an und so ringen sich die drei Frauen zu der Haltung durch »Wir dürfen fett sein«, mit und ohne Perücke, mit und ohne mehr oder minder schlecht aufgetragenem Lippenstift, auch mit Rückblick – per Video auf die Vergangenheit der Fünfergruppe von damals. Zurück also zur Anfangsfrage: Wo seid ihr? Die drei Übriggebliebenen können endlich eine starke Mauer bilden, auch wenn manchmal die Köpfe leicht einknicken müssen, dann wenigsten gemeinsam. Was bleibt? Die wunderbar körperlich ausgedrückte Erkenntnis: »umarmen« was dir lieb und teuer ist, »zurückweisen«, was dich quält und du nicht wirklich willst und – »gerade stehen«, denn das heißt: »Ich-sein«.
Begleitet von ausdrucksvollem – auch lautem – Sound (Musik: Torsten Knoll), klug gesetzten Lichtreflexen und aussagekräftigen Hintergrundbildern (Mohammad Salamat, Ralf Neumann, Marcel Andree) zeigt diese schnelle und starke Revue sehr eindrucksvoll den schwierigen Weg zur Selbstfindung eben nicht nur im Kampf gegen von außen aufgedrückte Rollen auf, sondern bekräftigt noch einmal, wie wichtig Zusammenhalt und Akzeptanz auch in der Konfrontation mit sich selber sind. Souverän geführt von Ute Bansemir (Regie) und choreografisch geleitet durch Katharina Wiedenhofer und Yolanda Morales neben aller Ernsthaftigkeit auch ein hochamüsantes Erlebnis, nicht verpassen!

Katrin Swoboda (Foto: © Seweryn Zelazny)

Termine: 9. Oktober, 19.30 Uhr; 10. Oktober 11 Uhr
www.theaterperipherie.de

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