Tanzmainz im U17: »Krawall im Kopf« erzählt vom inneren Aufstand Heranwachsender

Das Ich und die Welt: Spätestens mit dem Eintritt in die Pubertät ist da für jede und jeden die Kollision programmiert – und ein kaum zu vermeidender »Krawall im Kopf«. Wie der dann ausfällt, kann sehr unterschiedlich sein. Dumm nur: Wer jemals erwachsen werden will, muss da durch.
Ab elf Jahren ist das Tanzstück vom Staatstheater Mainz empfohlen. Das ist ein Alter, in dem der Zusammenprall der eigenen Wünsche mit den Erwartungen der Schule, der Lehrer, der Eltern und der allgemeinen Ordnung längst vertraut sein dürfte. Wenn die sechs jungen Tänzerinnen und Tänzer des Mainzer Ensembles mit Namensschild vor der Brust antreten , um von ihrer Ausbildung zu erzählen, weiß das Publikum sofort, was Sache ist – selbst wo es nonverbal erfolgt. Denn ihre Berichte gehen jeweils über in Soli und Gruppenformationen.
Der schmale, im Rock und mit Duttfrisur auftretende Franzose Benoît musste sich von seinen Ausbildern anhören, dass er körperlich zu schwach sei und zu androgyn für den Beruf, die Australierin Maddy dagegen, sie lächle zu viel, ihre Schultern seien zu muskulös und ihr Körper nicht zierlich genug für eine Tänzerin und an der Holländerin Cristel wurde trotz »Ballettkörper« die bambihafte Erscheinung bemäkelt. Wie viele, fragt man sich, haben da schon frustig aufgegeben?
Die in Mainz auf der U17-Bühne stehen, geben ein Beispiel davon, dass man es mit Talent, Selbstbewusstsein und dem Glauben an sich selbst auch gegen alle Hänseleien, mitunter aber auch gegen alle Regeln schaffen kann. Wer es zu Tanzmainz schafft, ist mit Sicherheit durch eine lange und harte Schule gegangen. Dass die freie Entfaltung eines jeden auch einer freiheitlichen Gesellschaft bedarf, macht das Ensemble in der Deklamation des Artikels 3 des Grundgesetzes deutlich: auf Deutsch, so gut es jeweils geht.
Vorher lassen uns die vier Tänzerinnen und zwei Tänzer noch Beispiele des Unisono-Tanzes, Pas de deux und Modern Dance, aber auch Anekdoten ihres Werdegangs erleben. Zu letzteren gehört das britische Zungenbrecherspiel Peter Piper oder die Geschichte des Spaniers Jorge – angeblich zu klein, zu laut, zu faul für eine Profikarriere –, der das Publikum die richtige Sprechweise seines Namens lehrt.
Der Choreograf und Tanzpädagoge Felix Berner hat »Krawall im Kopf« mit den jungen Akteuren auf Basis deren Biografien als szenische Collage entwickelt. Es ist die erste Arbeit, die der im Jugendbereich mehrfach ausgezeichnete Tanzlehrer nun mit Tanzprofis entwickelt hat. Die Bühnenbildnerin Nanna Neudeck hat dazu eine Ausstattung aus flexibel verwendbaren Pappmaché-Elementen ersonnen, die zum siebten Mitspieler werden. Die von einem wilden Musikpotpourri zwischen Punk und Polka unterstützte einstündige Darbietung sollte auch Erwachsene begeistern, zumal man die Tänzer nicht nur aus nächster Nähe erleben, sondern auch ein wenig näher kennenlernen kann.

Gisbert Gotthardt (Foto: © De Da Productions)
Termin: 20., 21., 22. Februar, 11 Uhr; 23., 27. Februar, 19.30 Uhr
www.staatstheater-mainz.de

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