Staatstheater Mainz: Faust-Preis-Gewinner »Soul Chain« wieder auf dem Spielplan

Das musste einfach sein: Nachdem die Tanzsparte des Staatstheaters Mainz mit Sharon Eyals berauschender Choreografie »Soul Chain« im vergangenen Jahr den Bühnen-Oscar Faust für die beste deutsche Tanzproduktion erhalten hat, war die Wiederaufnahme – wie schon beim Mainzer Faust-Vorgänger »Fall Seven Times« – erste Pflicht für deren Leiter Honne Dohrmann. Was »Soul Chain« so besonders macht? Der Sog aus Bewegung und Sound, dem man sich unmöglich zu entziehen vermag; der die Körper der Tänzer und Tänzerinnen wie in Trance in immer neue Konstellationen pulsierende Techno-Beat vom DJ und Komponist Orik Lichtik. Wenn nach 50 intensiv erlebten Minuten der Vorhang fällt, kommt die Reaktion des überwältigten Publikums ein jedes Mal einem befreiten, aber auch erlösenden Aufschrei gleich.
Davor faszinieren uns 17 in fleischfarbene Body-Suits und helle kniehohe Strümpfe gewandete Tanzmainz-Akteure auf Halbspitzen mit immer neuen Formationen. Die Arme leicht angewinkelt, den bald schweißnass glänzenden Rumpf leicht gebeugt, ließen die in höchster Präzision ablaufenden, sich wiederholenden Bewegungen an militärischen Drill denken, beobachtete man nicht gleichzeitig in jeder einzelnen Figur deren sperriges Streben aus der Gleichförmigkeit, Ausbrüche und Abweichungen. Es ist ein unablässiges Mit- aber auch Gegeneinander von Individuum und Gruppe, ein Anziehen und Abstoßen, Suchen und Finden, das sich vor unseren Augen vollzieht und das wohl auch die Kette meint, die diese Seelen unsichtbar aneinander schmiedet. In einer der eindrucksvollsten Szenen thront zu einer sich einschleichenden Tangoschleife der kraftberstende John Wannehag als muskelzuckender Fels in der sich von allen Seiten heranwälzenden Körperbrandung.
Eine der meist verwendeten und wohl treffendsten Bezeichnungen in den Besprechungen der Choreografien der früheren Batsheeva-Tänzerin Sharon Eyal und ihres Partners Gai Behar ist der des Hochleistungstanzes. Ein fesselnder Filmbericht über die Entstehung von »Soul Chain«, das Erleben der Tanzmainz-Tänzer und die Philosophie der Choreografin ist mit vielen Bildern aus ugewohnten Perspektiven in der 3sat-Mediathek abrufbar und sehr empfohlen. Das Beste zum Schluss: Selbst das bisher im Nu dauerausverkaufte »Soul Chain« kann sich dem Phänomen der Wiederaufnahmen nicht entziehen. Es gibt Ende August vermutlich noch Karten – und sei‘s für Oktober.

Gernot Gottwaldt (Foto: © Andreas Etter)
Termine: 17., 25. September, jeweils 19.30 Uhr
www.staatstheater-mainz.de

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