Senckenberg Naturmuseum zeigt »Korallenriffs – bedrohte Schätze der Ozeane«

Man muss sich das wohl so vorstellen wie in der Autowaschanlage, wenn die Meeresschildkröte das nächste Korallenriff ansteuert. Kaum dockt sie an, strömen Kolonnen von Putzerfischchen aus, um den gepanzerten Stammkunden, der sich derweil an Schwämmen und anderem Kleinzeug gütlich tut, von seinen Parasiten zu befreien.
Jeder vierte Hochseefisch wächst im schützenden Raum eines Korallenriffs auf, rund 30 Prozent aller Meereslebewesen sind von diesen Riffs abhängig. Und trotzdem steht die Bedeutung der in Jahrmillionen entstandenen oft gigantischen Bauwerke unter Wasser im krassen Gegensatz zu ihrer Wertschätzung durch den Menschen. Rücksichtslose Touristen sind dabei das Kleinste der Übel, Meererwärmung, Wasserverschmutzung und Überdüngung setzen den Regenwäldern der Meere dramatisch zu. Rund ein Drittel der Korallenriffe der Welt sind heute schon hin, Mitte des Jahrhunderts hat es mit unabsehbaren Folgen vielleicht schon gar keine mehr. Eine deprimierende Prognose unter vielen für das Leben auf der Erde. Es gibt keine Alternative dazu, alles für ihren Erhalt zu tun.
Das bereits dritte »Jahr des Korallenriffs« der seit 1994 aktiven und weltweit vernetzten ICRI (International Coral Reef Initiative) ist so ein Versuch, dem nun das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt mit der Ausstellung »Korallenriffe – bedrohte Schätze der Ozeane« folgt. Es ist eine recht übersichtliche, aber intensive und informative Schau, die nicht nur Einblick in die Schönheit, die unvergleichliche Artenvielfalt und Komplexität dieses einzigartigen Lebensraums für die Unterwasserpopulation gewährt, sondern auch wissenschaftliche Erkenntnisse über seine Gefährdung vermittelt und auf Gegenstrategien hinweist – viele davon im Kontext von Meeresforschungsprojekten des Senckenberg.
Dabei ist die Präsentation nicht textüberladen und bietet mit 50 eindrucksvollen Originalexponaten von Riffbewohnern, darunter etwa eine sogenannte Echte Karrettschildkröte, sowie einem guten Dutzend von Abgüssen und feinst ausgearbeiteten Modellen reichlich Anschauungsmaterial. Ein detailgenau modellierter Seestern, beispielsweise, verfügt über mehr als 2.000 Füßchen, die allesamt einzeln installiert wurden. In einer Filmecke mit Sofa kann man eine Reise mit der Jago, dem einzigen bemannten deutschen Forschungstauchboot, zu einem 400 Meter unter der Wasseroberfläche liegenden Kaltwasserriff verfolgen.
Die Sonderausstellung im zweiten Stockwerk des Museums ist zudem ein Vorbote für weit Größeres, das hier bald stattfinden soll. Mit dem Ende des Museumsumbaus wird in diesem Flügel in zwei Jahren auf breiter Ebene (»Meere der Welt«) dauerhaft die Sparte »Korallenriff« etabliert, die unter anderem ein sechs Meter langes Riff-Diorama beherbergen wird. Die ausgestellten Präparate, manche von ihnen noch ›under construction‹, sind dafür gedacht und gemacht.

Lorenz Gatt (Foto: © Traenkner)
Bis 10. Februar 2019: Mo., Di., Do., Fr. 9–17 Uhr; Mi. 9–20 Uhr; Sa., So. 9–18 Uhr
www.senckenberg.de

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