Schauspiel Frankfurt: Ewald Palmetshofers Endzeit-Drama »RÄUBER.SCHULDENREICH«

Es geht ans Eingemachte im Spielzeitöffner der Kammerspiele. Ewald Palmetshofers Stück »RÄUBER.SCHULDENREICH« verhandelt in einem Horrorszenario das Schicksal einer Familie und endet mit Zeter, Mordio und Himmelfahrt. Dem bereits 2012 an der Wiener Burg uraufgeführten Drama wird zwar allseits sprachliche Brillanz bescheinigt, doch mit seinen Inhalten und den bisher nur zwei Inszenierungen (Stefan Kimmig in Wien, Alexander Riemenschneider am Münchner Residenztheater) wurde die Kritik nicht recht warm. In Frankfurt wagt sich »Emilia Galotti«-Regisseur David Bösch an die Vorlage, die der Autor – auf Wunsch etwas marktgängiger im Verglerich zum originalen »räuber.schuldengenital« und zur Abwechslung mal in Versalien gesetzt hat. Angeblich ist Palmetshofer selbst sehr angetan von der neuen Assoziationsbreite. Und auf Assoziationen kommt es, wie der den Karl spielende Fridolin Sandmeyer meint, bei den poetisch gebrochenen Sätzen und Versen wesentlich an. Es sei eine soghafte, faszinierende Sprache, die aus eigener Kraft auch auf leerer Bühne sofort Räume für Bilder entstehen lasse.
Werke des gefragten 40-jährigen Österreichers waren in der Region bisher nur in Mainz (»die unverheiratete«) und im Regie-Studio der Reese-Ära (»Helden«) zu sehen. Aktuell sorgt eine Überschreibung von Hauptmanns »Vor Sonnenaufgang« für Furore. Frankfurt sieht etwas anderes, denn mit Schillers Sturm-und-Drang-Klassiker hat »RÄUBER.SCHULDENREICH« kaum zu tun. Nur der Titel und die Namen der Protagonisten Franz und Karl lehnen daran an. Und vielleicht noch, dass es auch hier um ein »Kastraten-Jahrhundert« geht.
Im Hauptstrang suchen die gescheiterten Brüder ihre dumpf und derb vor sich hin lebenden Eltern auf, um ihr Erbe vorab einzufordern. Karl als rücksichtsloser Haudrauf, Franz als Stricher. Die Elter in angstvoller Distanz. ablehnend. Es ist Karl, der auch »das Mehr-als-Geld«, um das er sich geprellt fühlt, von seinen Erzeugern will ud die Eskalation forciert. Er erfährt die Welt als sinnentleert im Rien-ne-vas-plus-Modus, ohne jede Aussicht auf anderes. Bloße Opfer schlechter Verhältnisse, so Sandmeyer, seien die Brüder nicht. Mit der Nachbartstochter Petra wird ide lost generationzum Trio. Diese pflegt ohne jede Empathie ihre an den Rollstuhl gefesselte Mutter und träumt sich wie besessen weg, bis es konkret wird für sie mit den Brüdern – und einem gemeinsamen Kind.
Der Autor serviert die Chronologie des Untergangs als Teil eines Patchwork und bettet sie in Szenen aus dem postapokalyptischen Jenseits der ausgelöschten Alten und den aus der Zeit fallenden Phantasmagorien Petras. Regisseur Bösch hat die junge Generation mit dem Dreigestirn aus der »Emilia« besetzt. Mit Sandmeyer sind das Isaak Dentler (Franz) und Sarah Grunert (Petra). Ihre Eltern geben Heidi Ecks und Peter Schröder, Petras Mutter spielt Anke Sevenich und deren Lover Matthias Redlhammer. Die Bühne ist Faiko Herold anvertraut, der auch für die geplanten Videos steht. So sie kommen. Da Bösch noch am Tag der Premiere ganze Abläufe zu kippen pflegt, sind auch die Schauspieler gespannt, was da bleibt.

Winnie Geipert (Fridolin Sandmeyer, © Christoph Mack)
Termine: 8. (Premiere, ausverkauft), 20., 28. Sep., 20 Uhr; 9., 16. Sep., 18 Uhr
www.schauspielfrankfurt.de

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