Oper Frankfurt: Doppel mit »Iolanta« und »Oedipus Rex«

Vielleicht ist es das für seine Zeit ungewöhnliche Sujet, das Peter Tschaikowski mit Bruder Modest zusammengezimmert hat: König René verschweigt der schönen Iolanta von Geburt an, dass sie blind und zudem noch Königstochter ist. Der König kommt von einer Jagd zurück, begleitet von einem »maurischen« Arzt, der die Heilung der Augen in Aussicht stellt. Vorausgesetzt, man würde Iolanta die bis dato streng gehüteten Geheimnisse offenbaren. Zwei Ritter tauchen indes auf, die sich in die im Garten ruhende Prinzessin verlieben. Vaudémont, der eine, plaudert beim Erwachen der jungen Dame von der Schönheit des Lichts. Der König, außer sich über die Offenbarung, fordert vom Arzt Ibn-Hakia die Heilbehandlung. Falls diese misslingt, muss er mit dem Tod rechnen. Die Heilung gelingt, Ioalanta kann sehen und wird mit einem der beiden Ritter vermählt.
Vielleicht ist es aber auch eine für Tschaikowski bis dahin ungewohnte musikalische Sprache, die ihn in seiner letzten Oper (1892 als Einakter zusammen mit dem Ballet »Nussknacker« uraufgeführt) umtreibt, die bei den Zeitgenossen auf einiges Unverständnis stößt. Jedenfalls sind Wiederaufführungen dieser lyrischen Oper, wie Tschaikowski sie nennt, eher selten – und insofern im Kontext mit Igor Strawinskis stringentem »Opern-oratorium« Oedipus Rex, ebenfalls ein Einakter, nun in Frankfurt nur zu preisen. Von der Nacht zum Licht.
Strawinski, das weiß man, konnte sich musikalisch wandeln wie ein Chamälion. Einen antiken Text von Sophokles aufgreifend, hat er – zusammen mit Jean Cocteau – ein Tableau geschaffen, das sich von seinen bahnbrechenden Werken wie »Der Feuervogel« oder gar »Le Sacre« himmelweit entfernt. Ins Lateinische übersetzt, sollte die Geschichte gewissermaßen phonetisch auf allen Bühnen verstanden werden – ein Erzähler würde in der jeweiligen Landesspache die Handlung vorwegnehmen. Das strenge Latein gab ihm zusätzlich die Freiheit für oft wie choreografisch angeordenete Klangbilder, die sich auf mittelalterliche, orthodoxe und sogar Jazz-Elemente bezogen. Eine Durchsichtigkeit, Klarheit, präzise Rhythmik wird hör- und erlebbar und mag die Tragödie des Ödipus erschütternd bloßzulegen: der Vatermörder und Ehemann seiner eigenen Mutter verschließt buchstäblich seine Augen, indem er sie aussticht. Vom Licht zur Nacht.
Hausherr Sebastian Weigle (alternierend mit Kapellmeisters Nikolai Petersen) wird vom Orchestergraben aus die Übersicht behalten, die gefragte Amerikanerin Lydia Steier übernimmt die Regie. Die Sängerriege der Oper Frankfurt (mit Asmik Grigorian aus Litauen als Iolanta) wird, wir wissen es seit langem, makellos sein.

Bernd Havenstein
Foto: Sebastian Weigle
© Barbara Aumüller
Termine: 28. Okt., 18 Uhr (Premiere),
acht weitere Termine im November
www.oper-frankfurt.de

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