Oper Frankfurt: Barrie Kosky und »a bis‘l Libe«

Wenn vom Regisseur Barrie Kosky die Rede ist, fällt ganz schnell das Adjektiv unkonventionell. Und das in einer Art Rastlosigkeit, die vor keinem Genre der Musik haltmacht. Ob es eine Operette ist, die seiner Komischen Oper Berlin zu lange vergessenen Erfolgen verhilft, oder eine Oper (in Frankfurt jüngst die »Carmen«, die »Meistersinger« in Bayreuth) oder weltweite Inszenierungen von Shakespeare bis O‘Neill: es gibt auch auf der Suche nach Wahrhaftigkeit kein Genre, das er auslässt. »On Ecstasy« ist eine seiner Feature-Sammlungen betitelt, wie unter Strom. Das trifft‘s.
In »No escape« beschäftigte sich bereits 2008 der Autor Jürgen Bauer mit den Aspekten des Jüdischen im Theater von Barrie Kosky. Wie folgerichtig hat Kosky nach großen Erfolgen 2015 in seinem Theater in Berlin diese Aspekte aufgegriffen und belegt mit Liedern aus jiddischen Operetten Osteuropas während des Übergangs vom Ende des 19. zum 20. Jahrhundert die Wurzeln dieses Genres. Die Werke vielfach vergessener, in die USA emigrierter Komponisten waren es, die in den am Broadway aufkommenden Musicals ihre Spuren hinterlassen haben. Mit seinem in Berlin äußerst erfolgreichen Programm »Farges mikh nit – vergiss mich nicht« kommt Barrie Kosky nun auch in die Oper Frankfurt, präsentiert sich selbst als Entertainer, versierter, launiger Pianist der Sängerinnen Alma Sadé und Helene Schneidermann. Lieder von »Glik«, »a bis‘l Libe«, Einsamkeit im Exil, aber auch Lebenslust werden Erinnerungen wachrufen. Vielleicht aber auch aufrütteln, denn der Antisemitismus unserer Tage ist nicht weit entfernt von dem, was die Lieder von Abraham Ellstein, David Meyerovitz oder Abraham Goldfaden zu erzählen haben. Dieser Abend ist ein Muss, zumal mit Barrie Kosky und den Seinen kein belehrendes Ereignis zu erwarten ist, sondern pralles »Theater« und mitreißende Musik.

Bernd Havenstein (Foto: Barrie Kosky, © Jan Windszus Photography)
Termin: 4.2., 19.30 Uhr, Oper Frankfurt
www.oper-frankfurt.de

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