Norwegian Moods: Schauspiel Frankfurt zeigt Ibsens »Brand«, Brattbergs »Nie wieder« und zwei Gastspiele

Die Inszenierung von Henrik Ibsens »Peer Gynt« mit einem allgewaltigem Max Simonischek im Zentrum eröffnete schon im Mai das norwegische Jahr nicht nur für das Schauspiel Frankfurt, sondern für die gesamte Stadt. Dem skandinavischen Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse (16.– 20.10.) sind unter dem einem Gedicht von Olaf H. Hauge entnommenen Motto »Der Traum ins uns« zahllose Veranstaltungen in allen Bereichen gewidmet. Außer »Gynt« werden am Schauspiel Frankfurt vier weitere Stücke aus Norwegen zu sehen sein, zwei davon Gastspiele, zwei wandern mit offener Laufzeit in das Repertoire des Hauses.
Von den Kulturträgern des reichen nordeuropäischen Landes nachhaltig unterstützt, setzte das Schauspiel sein Norwegen-Programm schon am 14. September mit Fredrik Brattbergs Drei-Personenstück »Wieder da« fort, das nichts mit dem ähnlich betitelten Gröfaz-Bestseller und -Film zu tun hat. Vielmehr handelt es von einem Elternpaar, dessen Sohn vom Skifahren nicht wieder nach Hause kommt und dann, als niemand mehr damit rechnet, doch. Wiewohl schon weltweit inszeniert, geschieht dies nun unter der Regie von Kornelius Eich zum ersten Mal in Deutschland, mit Christina Geiße und Sebastian Reiß als Eltern und Thorsten Flassig als absentem, in einer emotionalen Achterbahnfahrt seiner trauernden Eltern immer wieder zurückkehrender Sohn. Termine: 5., 19., 25. Oktober, 20 Uhr
Für die meisten nicht minder unbekannt dürfte Henrik Ibsens Frühdrama »Brand« sein, das im großen Haus gegeben wird. Ibsen hat es noch vor Peer Gynt als großes Gedicht in Versen verfasst, dessen einzige deutsche Übersetzung von Christian Morgenstern stammt. Unter der Regie von Roger Vontobel wird die durchaus aktuell rezipierbare Geschichte des Pastors Brand, der vom leidenschaftlichen Aufklärer zum radikalen Fanatiker wird, in einer neu übersetzen Prosafassung erzählt. Brands Sicht der Welt lasse sich problemlos in die Gegenwart übertragen, meint Vontobel, der in dem streng und genau denkenden Pfarrer ein absolutes Gegenbild zu der seine Selbstverwirklichung suchenden Zwiebelfigur Gynt sieht: Theoretiker versus Träumer. In den Hauptrollen Heiko Raulin und Jana Schulz (Agnes). Termine: 12., 13., 21. Oktober, 19.30 Uhr
Mit dem zweitägigen Gastspiel von »Nordische Heerfahrt« (16./17. Oktober, 20 Uhr) kommt ein weiteres kaum bekanntes Stück aus der frühen Phase des norwegischen Nationaldichters auf die Bühne. Ein wunderbares Angebot mithin für Ibsen-Freunde. Die populären Familiendramen von »Einsame Menschen« bis zu »Nora« stammen allesamt aus der späteren Schaffensphase.
Komplettiert wird das Stückequintett von der Trilogie »Schlaflos – Olavs Träume – Abendmattigkeit« des berühmten Gegenwartautors Jon Fosse. Unter der Regie von Luk Perceval, der zuletzt hier Ken Wilbers »Mut und Gnade« inszenierte, spielt das Norwegische Staatstheater Oslo (23., 24. Oktober, 19 Uhr). Beide Gastspiele werden deutsch und englisch übertitelt.

gt (Foto: »Trilogie«, © Erik Berg)
www.schauspielfrankfurt.de

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