Museum für Kommunikation: Die Nacht. Alles außer Schlaf

Glühwürmchen im Zwielicht

Alles außer Schlaf – so lautet das Motto der Ausstellung. Dafür ist sie bekanntermaßen ja auch nicht da, sondern »dass was geschieht« (Gustav Gründgens). Was das ist, zeigen und zitieren im Museum für Kommunikation zirka 350 verschiedenen Objekte aus Mythologie, Astronomie, Kunst, Pop und moderner Technik. Vom Albtraum über Dracula bis hin zu Nosferatu begegnen uns die unheimlichen, auch höllischen Kreaturen der Nacht, aber auch die Mittel und Tricks der Vampirjäger und des beruhigenden Traumfängerchen.
Die wissenschaftliche Herangehensweise wird nicht unterschlagen: Schon die alten Ägypter beschäftigten sich mit dem Phänomen, dass überall auf der Welt zu unterschiedlichen Zeiten das Licht ausgeht. Mond- und Sternenbeobachtung, dokumentiert seit dem Mittelalter, tragen im aufgeklärten 18. und 19. Jahrhundert zur Entzauberung der Dunkelheit bei – im Gegenzug entwickelt sich freilich die Schauerromantik, und die entsprechenden Romane bei Bastei Lübbe, wir sehen sie ausgestellt, haben im 20. Jahrhundert Hochkonjunktur. Auch die Gothic-Bewegung – vielleicht die aktuellste Form der Verbeugung vor den Mächten der Nacht – ist plastisch-figürlich präsent. Interaktiv können wir uns an der künstlerischen Verarbeitung der »inneren Dämonen« mit Hilfe eines Gedankenkarussells beteiligen oder auch der zwiespältigen Figur der »Königin der Nacht« begegnen.
Mit der Entwicklung der künstlichen Beleuchtung entstehen aber auch Nachtarbeit und Nachtberufe. Schlaf, so ein Parole des Kapitalismus, ist vergeudete Arbeitszeit! Dennoch sehen wir Schlafzimmermodelle und erfahren eine Einführung in die eigene Chronobiologie. Gleich daneben zeigen sich uns nächtliche Vergnügungsszenarien, vom Nachtklub bis zu ausgestellten Klischees des Nachtlebens. Das Berliner Späti (Kiosk) ist vertreten, auch das Nachtasyl der Obdachlosen und der Schutzraum, den die Nacht illegalen Graffiti-Sprühern und anderen Lichtscheuen gewährt.
So zeigt die Ausstellung spannende und Unterhaltsam zugleich die verschiedensten Aspekte und unseren Umgang mit dem Naturphänomens Nacht: von der Sternenklarheit bis zum Zwielicht, von der Stillen bis zur Techno-Nacht. Ein kleines Nachtgespenst (für Kinder) oder aber auch ausgewachsenen Glühwürmchen führen bei Bedarf durch die Ausstellung. Wer will, kann sich am 26. und 27. Mai hinters Licht führen lassen. Zum Vormerken: Am 16. August erzählt Michael Quast dann etwas von Schlafmützen, Wachträumern und Nachteulen. Anstelle eines Katalogs gibt es »Das Buch der Nächte«, 215 Seiten, die die Ausstellung wunderbar ergänzen und kommentieren.

Katrin Swoboda (Foto: © Philipp Jester)
Bis 26. August: Di.–Fr. 9–18 Uhr; Sa., So. 11-19 Uhr
www.mfk-frankfurt.de

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