Money, Money, Money (62)

Da haben sie aber was angerichtet, die Grünen. Ausgerechnet die Partei der wohlsituierten Mittelschicht – so zumindest die allgegenwärtige Lesart diverser Gazetten – will uns nach gewonnener Bundestagswahl mit Haut und Haaren dem Finanzamt ausliefern. Die Republik tobt, zumindest der veröffentlichte und der berufsmäßig andersdenkende Teil. Schon am Abend des legendären Steuererhöhungsparteitags jammerten allen voran die öffentlich-rechtlich besoldeten Gutverdiener in ihrer Parteitagsberichterstattung über die bevorstehende Schröpfung ihrer Geldbörse. Eine ungeheuerliche Steigerung von 42 auf 45 Prozent Steuern, und das schon ab 60.000 Euro Jahresbrutto, also schlappe 5.000 Tacken pro Monat, oder sogar noch weniger, wenn man das übliche (??) 13. oder gar 14. Monatsgehalt dazurechnet. Ein Bonus, von dem mal schätzungsweise mindestens zwei Drittel der verdienenden Bevölkerung nur träumen kann. Und »wer mindestens 80 000 Euro Einkommen hat, soll künftig 49 Prozent Steuern zahlen«, so die journalistisch verschleiernde Formulierung einer Tageszeitung. So wird dann suggeriert, dass man von 60.000 Euro glatte 27.000 gleich mal an Väterchen Staat zahlen muss, und ab 80.000 demnach fast die Hälfte des Einkommens.

Wäre es noch politisch korrekt, könnte man da glatt von einer Milchmädchenrechnung sprechen. Und eigentlich reden sie auch immer korrekt vom »Spitzen«steuersatz und vom »zu versteuernden« Einkommen. Aber dargestellt wird es, dass der Steuersatz einsame Spitze ist und eben vom Einkommen als »zu versteuernd« abgezogen wird. Die tatsächliche Spitze wird dann von der Illu »stern« erklommen, wenn sie in der selbst gestellten Frage, wieviele Wähler denn von den Steuerplänen der Grünen betroffen wären, sich selbst gleich die etwas verwirrende Antwort gibt »sehr viele. Etwa fünf(!) Prozent der Einkommenssteuerpflichtigen«.

Und dann hat zur großen Verwunderung all dieser Warner vor dem Gang in den grünen Staatsozialismus, das gemeine Volk zumindest in Umfragen erklärt, dass es das Ganze für gar nicht so übel hält. Liegt wohl auch daran, dass das gemeine Volk eher weniger als 60.000 Euronen im Jahr nach Hause bringt. Vielleicht aber auch an dem Wissen, dass Spitzensteuersatz heißt, nur der Anteil über den sechzig bzw. achtzig Tausend wird mit dem Steuersatz versteuert. Vielleicht lassen sich die Leute doch nicht so leicht für blöd verkaufen.

Hoffentlich. Denn hinter diesem vom Wahlkampf aufgebauschten Getöse wird verborgen, was tatsächlich auf die Leute zukommen kann. Und zwar durch reale Entscheidungen, nicht Wahlprogramme. Da wird von der Zentralbank der Zinssatz (kann man den noch so nennen?) so billig gemacht, dass die Banken sich quasi für umme bedienen können, die Leute gleichzeitig für ihr Erspartes nichts mehr kriegen. Das führt nun einerseits dazu, dass massenhaft Geld in die Finanz- statt in die Realwirtschaft gepumpt wird, die Börsenspekulation feiert ja grad wieder fröhliche Urständ. Und die kleinen bis mittelgroßen Leute bringen schnell ihr Erspartes wegen der niedrigen Zinsen nicht in, aber auf den Baumarkt. Da kommt die nächste Immobilienblase auf uns zu. Aber eigentlich habe ich mit meinen zwei Grundkursen zur Nationalökonomie, die fürs Vordiplom Pflichtübung waren, gar nicht so viel Ahnung von diesen ganzen Geldgeschichten und sollte es lieber den Profis überlassen, die uns schon Anfang des Jahrtausends und dann noch einmal 2008 in die kapitalgestützte Glückseligkeit geführt haben.Da glaube ich dann doch lieber an den großen Durchmarsch der Eintracht auf der europäischen Fußballbühne.

Jochen Vielhauer

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