MfK zeigt die Mondlandung als Medienereignis

Ende Juli 1969, Aix-en-Provence – Südfrankreich. In einigen Cafés auf dem Cours Mirabeau sind – damals noch eine Seltenheit – Fernsehschirme aufgestellt. Man kann davor stehen bleiben und zusehen, wie der »gewaltige Sprung für die Menschheit« übertragen wird. Einige, auch wir, sehen zu, wie Neil Armstrong und … wie hieß nochmal der andere? … ach ja, Buzz Aldrin …in ihren merkwürdigen weißen Anzügen langsamen Schritts den Mond betreten. Ist das wirklich echt oder doch auch Sciencefiction? Wirklich fasziniert sind wir, Studentinnen und Studenten, von diesem »Jahrhundertereignis« noch nicht. Die Bedeutung dieser Bilder erschließt sich erst später.
Dass wir einem der größten Medienereignisse der Geschichte folgen konnten, war uns damals noch nicht so klar. Aber genau das ist das Thema der Ausstellung »Raumschiff Wohnzimmer – die Mondlandung als Medienereignis« im Frankfurter Museum für Kommunikation. Um die 600 Millionen Menschen verfolgten zum ersten Mal in der Geschichte des Fernsehens das global ausgestrahlte Ereignis – und das live. Dazu kommen noch einmal hundert Millionen Hörer an den Rundfunkgeräten. Kein Fußballspiel, kein olympisches Sportereignis kann da – bis heute – mithalten.
Gut zwanzig Stationen zeigen in den verschiedensten Formaten, Zeitungsauschnitten, Gegenständen, Hörstücken, die Geschichte der Erforschung des Weltraums: wie sie sich in Literatur, Kinderzeitungen (»Pitt und Pott«, 1934) und Knabenbekleidung wiederfindet. Selbst in den Konzentrationslagern des Naziregimes wurde Raketenforschung zur Entwicklung der V2 betrieben, Wernher von Braun setzte diese Arbeit später in den USA ungebrochen fort. Der Mond kommt in Mode auch für Fritz Steppke, in Spielkarten und Gesellschaftsspielen, Romanen und Science-Fiction-Szenarien. Die Darstellung folgt der Entwicklung von Galileo über Kepler bis zum heutigen Grand Teleskop in Genf. Ab 1952 wird das Fernsehen der wichtigste mediale Begleiter der Raumfahrt im Wohnzimmer, und das erst recht, als regionales und Farb-TV dazukommen, Livesendungen, Modellnachbauten und Rollenspiele Mode werden.
Schließlich widmet sich eine Station dem »Mondfernsehen live« einer »Sendung der Superlative«: 24 Stunden live Übertragung am 21.7.1969, universal geguckt auch vom damaligen Papst Paul VI, nur in der DDR wird zeitgleich ein Spielfilm über Partisanen gezeigt. Eine weitere Station widmet sich dem Weltlauf im All zwischen USA und UdSSR: Luna und Apollon, Gagarin und Armstrong. Man kann das Piepen des ersten Sputniks hören, und mit Gus Backus den Mann im Mond besingen. Zudem kommen das Sandmännchen, der Satellitenreceiver von heute sowie Kunst, Kitsch und Kommerzprodukte zu Ansicht und am Ende die Möglichkeit, sich über zehn Mondlandungen in Serie, Verschwörungstheorien und Fake-News-Gerüchte individuell zu informieren Eine lehrreiche, zu Diskussionen und Erfahrungsaustausch anregende Schau.

Katrin Swoboda (Foto: © Wilhelm Bauer + Nürnberger-Nachrichten)

Bis 30. Januar 2021: Di.–So. 11–18 Uhr, www.mfk-frankfurt.de

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