»Melodys Baby« ab 14.5.2015 im Kino!

»Melodys Baby«Mutter zu verleihen

»Melodys Baby« von Bernard Bellefroid

Eine junge Frau braucht Geld, eine ältere Frau will unbedingt ein Kind haben. Geradezu klassisch ist die Ausgangskonstellation für einen Film über Leihmutterschaft, ein nicht gerade gängiges Filmthema. Der belgische Regisseur Bernard Bellefroid entwickelt daraus ein spannendes Beziehungsdrama, in dem das Ungeborene den Kitt liefert, der die beiden Frauen zusammenhält.

Zusammengekauert wie ein Embryo liegt Melody (Lucie Debay) auf einem roten Sofa. Es muss das Sofa von Freunden sein, denn Melody ist ohne festen Wohnsitz. Wenn sie keine Unterkunft finden konnte, verbringt sie die Nacht im Schlafsack in einem Treppenhaus.  Sie lebt am Rande der Gesellschaft, hat aber die Energie, von dort wegzukommen. Sie träumt von einem eigenen kleinen Friseursalon. Bis sie ihn eröffnen kann, wirft sie Flyer in Briefkästen und frisiert ihre Kundinnen in deren Wohnungen.
Melody bekommt die Option auf einen Laden, was ihr Geldproblem noch dringlicher macht. Also bewirbt sie sich als Leihmutter – und trifft auf die Engländerin Emily (Rachael Blake). Emily ist, im Gegensatz zu Melody, erfolgreich. Sie, die Managerin, kann selbst keine Kinder bekommen und verfolgt deswegen ihren Kinderwunsch wie eine Firmenübernahme. Mit einem Risiko, das es vorher, so gut es eben geht, zu minimieren gilt.
Nun sind aber zwei Frauen, von denen die eine zudem schwanger ist, keine zwei Firmen mit konkreten Finanzdaten, die belegen, wie es um sie steht. Menschen öffnen sich erst langsam in einer Beziehung, oft auch unter dramatischen Umständen. Bei Melody kommt heraus, dass sie ihre Mutter nicht kennt, weil sie anonym geboren wurde, und Emily ist gerade von einer schweren Krebserkrankung genesen.
Genug Konfliktstoff also, den die Drehbuchautoren Bernard Bellefroid und Carine Zimmerlin (in Zusammenarbeit mit Anne-Luise Trividic und Marcel Beaulieu) genutzt haben, zwei erstaunlich differenzierte Charaktere zu entwerfen. Beide Frauen sind aufeinander angewiesen, sind dem Stress der Situation und ihren Gefühlen ausgeliefert. Die Autoren entgehen ihrerseits der Versuchung, Melody zum Opfer zu machen und Emily zur berechnenden Täterin. Im Verlauf wechseln die Sympathien der Zuschauer, auch weil die beiden Darstellerinnen mit großer Glaubwürdigkeit agieren. Folgt Regisseur Belle-froid zunächst, wenn er Melodys Situation schildert, den Spuren seiner Landsleute, der Dardenne-Brüder,  so überrascht er später mit der außergewöhnlichen Sensibilität, mit der er die beiden Frauenfiguren betrachtet. Wenn sich eine Art Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Emily und Melody entwickelt, wird der große Frauenversteher und -bewunderer Ingmar Bergmann sein Vorbild.

Claus Wecker
MELODYS BABY (Melody)
von Bernard Bellefroid, B 2014, 90 Min.
mit Rachael Blake, Lucie Debay, Don Gallagher
Drama
Start: 14.05.2015

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