»Matangi/Maya/M.I.A.« – Steve Loveridges filmisches Porträt der Sängerin und Popikone M.I.A.

»Wieso bist du so ein schwieriger Popstar?« wird sie gleich zu Anfang aus dem Off gefragt, »wieso hältst du nicht einfach die Klappe und landest einen Hit?«. »Wenn ich nur die Klappe halten und mich um Hits kümmern würde«, antwortet die aus Sri Lanka stammende Künstlerin und Musikerin M.I.A., »wäre ich längst schon drogensüchtig. Denn das passiert, wenn man nicht sagt, was man zu sagen hat. Musik ist nur mein Medium.

Das Bedürfnis, meine Meinung zu sagen, war schon immer da.« M.I.A. gehört zu den kontroversen Popstars der Gegenwart. Ihre Musik ist ein Clash aus HipHop, Dancehall, Grime, Urban Culture und Electro, gleichermaßen catchy, brachial wie herausfordernd. Ihre Songs und noch mehr ihre Musikvideos sind explizit politisch, »Born Free« von 2010 etwa, von Youtube für Minderjährige gesperrt, zeigt über 8 Minuten die brutale Deportation und Hinrichtung von Rothaarigen – ein drastischer, wütender Bildersturm gegen die Willkür von Rassismus.
Steve Loveridges will in seiner Dokumentation wissen, wie aus dem kleinen Mädchen Mathangi ›Maya‹ Arulpragasam, dessen Vater in ihrer Heimat die militante tamilische Unabhängigkeitsbewegung begründete und das selbst 1985 mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern vor dem Bürgerkrieg nach London fliehen musste, die rebellische Popikone M.I.A. werden konnte. Dafür greift er auf eine Fülle von altem Archivmaterial zurück, M.I.A.s Dokumentarfilmversuche Mitte der 1990er Jahre an der Londoner Kunsthochschule etwa, verwackelte Video-Aufnahmen inmitten ihrer Familie, eine lange Reise in ihre alte Heimat Sri Lanka 2001, das Basteln an den ersten eigenen Demo-Songs, aus denen schließlich ihr Debütalbum »Arular« entstand Schon früh begriff sich M.I.A. als eine Außenstehende, eine Migrantin, die nicht dazu gehören sollte und daraus genauso Kraft und Energie gewann wie aus der Musik, die ihr immer wichtiger wurde. Am Anfang hörte sie sie aus einem kleinen Radio, Madonna etwa, bald auch HipHop von Public Enemy. Tanzend steht sie dabei als Teenager vor dem Spiegel. Noch heute ist alles, was sie tut, von diesen Koordinaten geprägt. Pop, HipHop, Urban Culture und die eigene migrantische, rebellische Identität. Loveridges sehenswerter, wenn auch etwas bruchstückhafter Film »Matangi / Maya / M.I.A.« ist nun im Rahmen des New Generation Independent Indian Filmfestivals im Orfeos Erben zu sehen.

Tim Gorbauch
MATANGI / MAYA / M.I.A.
von Steve Loveridge, GB/USA 2018, 97 Min.
Dokumentarfilm
Termine: Sa., 17.11., 20.30 Uhr,
Orfeos Erben, Hamburger Allee 45
22.–27.11., 21.45 Uhr; 28.11., 18 Uhr; 5.12., 21.45 Uhr, Mal Seh’n, Adlerflychtstr. 6

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