»Master Cheng in Pohjanjoki« von Mika Kaurismäki

Dies ist ein Märchen aus vergangenen Tagen. Als ein Chinese, der mit seinem kleinen Sohn gerade in Finnland eingereist war, ohne Argwohn aufgenommen wurde. Er stand ja nicht im Verdacht, etwas Gefährliches mitgebracht zu haben. Und deshalb war es auch ganz normal, dass eine Finnin diesen Chinesen beim Tanzen an sich drückte, damit sie ihm nicht nur physisch näher kommen konnte.

Man darf schon etwas wehmütig werden, wenn man Mika Kaurismäkis (der ist Aki Kaurismäkis Bruder und macht im Vergleich zu ihm weniger stilisierte Filme) neues Werk, das selbstverständlich »vor Corona« entstanden ist, jetzt im Kino anschauen kann. Es ist eben eine vergangene Welt, die da gezeigt wird, und wir können nur hoffen, dass sie bald wiederkommt.
Denn Misstrauen ist den Menschen in dem kleinen Dorf in Lappland, zwar nicht ganz fremd, wird aber schnell weggewischt, wenn man nicht gerade als Polizist unterwegs ist. Der Chinese im Film ist ja auch sehr höflich. Wenn er in unbeholfenem Englisch nach »Fongtron« fragt, einem Einheimischen, den er sucht, verbeugt er sich immer. Seinetwegen hat sich dieser Herr Cheng mit Sohn Nunjo von Shanghai auf den Weg ins ferne Finnland gemacht.
Er landet in der einzigen Gaststätte im entlegenen Pohjanjoki. »Sirkkan Baar« verkündet ein großes Schild auf dem Dach. Wirtin Sirkka hat ein gutes Herz, in das sie vermutlich zuerst den kleinen Jungen schließt.
Sie kennt keinen Mann namens Fongtron und ihre einheimischen Gäste auch nicht. Erst einmal bietet Sirkka den Chinesen ihr Standardgericht Wurstgulasch mit Kartoffelbrei und Gemüse an. Und weil sie nicht wissen, wo sie übernachten sollen, bietet sie den Fremden als Unterkunft ein leeres Haus am Rande des Dorfes an.
Als am nächsten Tag ein Touristenbus eine Ladung hungriger Chinesen in Sirkkas Kneipe ablädt, bemerkt Cheng, dass Sirkkas Wurstküche bei den Asiaten nicht so gut ankommt, und kocht in Windeseile ein chinesisches Menü, das den Touristen vorzüglich mundet. Und wie es Schicksal und Drehbuch so wollen, ist Herr Cheng ein Koch, und natürlich ein Meister seines Fachs. Die einmalige Gelegenheit für die patente Sikka, ihren Laden ein wenig aufzupäppeln.
Nun folgt die Annäherung zweier Kulturen. Die Finnen lernen die chinesische Küche zu schätzen, die auch bei den Monatsbeschwerden der Frauen, bei allerlei anderen Beschwerden und sogar bei schwereren Krankheiten heilen kann. Dass es mit den Zutaten in China und den dortigen Märkten nicht so gut bestellt ist, haben wir inzwischen zur Kenntnis genommen. Aber der Film spielt ja in Finnland, und der Fisch kommt frisch geangelt in die Küche.
»Gutes Essen macht glücklich« ist Chengs Parole, die bald von den Einheimischen dankbar aufgenommen wird. Die schleppen Cheng in die Sauna, was wiederum bei ihm Anklang findet.
»Die Globalisierung ist das Thema der Stunde und hinterlässt nicht selten einen unangenehmen Beigeschmack«, sagt Mika Kaurismäki. Sein Film sei ist in gewisser Weise ein Film über Globalisierung – jedoch im positiven Sinne: »Eine zufällige Begegnung zwischen zwei gewöhnlichen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die sich und ihre Umwelt gegenseitig bereichern und anerkennen«
Wie gesagt, »Master Cheng in Pohjanjoki« ist eben ein Märchen.

Claus Wecker (Foto: © 2019, Marianna Films Oy, by Media, Han-Ruan-Yuan-He)

 

MASTER CHENG IN POHJANJOKI
(Mestari Cheng)
von Mika Kaurismäki, FIN/CHN/GB 2019, 114 Min.
mit Anna-Maija Toukko, Pak Hon Chu, Lucas Hsuan, Kari Väänänen, Vesa-Matti Loiri
Komödie
Start: 30.07.2020

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