Im Mousonturm startet die Companhia de Dancas von Lia Rodruiges mit »Fúria« die »Frankfurter Positionen«

Als eine Feier des Menschen lässt sich die Inszenierung »Fúria« verstehen, die das Festival »Frankfurter Positionen« mit der brasilianischen Tanzkompanie von Lia Rodrigues eröffnet. Als eine Feier seiner Individualität und Eigenheiten. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Vermassung und der Nivellierung der freiheitlichen Rechte formuliert das auch ein politisches Statement. Die Choreografin habe den Probeprozess für »Fúria « mit ihrer Companhia de Dancas eigens nach Maré, in eine der härtesten Favelas Rio de Janeiros verlegt, sagt das Programm. Doch trotz der evidenten Abgründe in ihrer Heimat unter dem rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro, weist ihre Arbeit weit über die spezifische Situation des erodierenden Brasiliens hinaus.
Das etwa einstündige Tanzstück ist vor wenigen Tagen im Pariser Tanztempel Chaillot uraufgeführt worden ist. Mousonturm-Impresario Matthias Pees hat es gesehen und eine nicht nur körperlich, sondern auch darstellerisch extreme Schau erlebt, die zu drastischen Bildern greift, um die gesellschaftliche Verrohung und Entmenschlichung aufzuzeigen. Eine umwerfende Performance, die vorzivilisatorische oder postapokalyptische Zustände assoziieren lasse. In einem Gewaltmarsch kreise die etwa zehnköpfige Gruppe auf der Bühne, um immer wieder neue archaische Rituale zu kreieren. Es sei ein Tanz an den Abgründen, der allerdings in einer Hinwendung zur Sprache münde, auch wenn diese – jedenfalls im Chaillot – nicht zu verstehen gewesen sei. Dass das im Mousonturm genauso wird, sei nicht auszuschließen, aber gewiss nicht zwingend für die unablässig an ihren Choreografien feilende Künstlerin.

gt (Foto: © Sammi Landweer)
Termine: 24., 25., 26. Januar, jeweils 20 Uhr
www.mousonturm.de

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