Historisches Museum Frankfurt: »Ich sehe was, was Du nicht siehst« im Stadtlabor

Gemeinsam mit der Bildungsstätte Anne Frank geht das Historische Museum Frankfurt den Themenbereich Rassismus und Kolonialismus an. Nachdem die ursprünglich geplante Wanderausstellung des Deutschen Hygiene-Museums Berlin pandemiebedingt nicht mehr zu realisieren war, kam es zu dieser Kooperation. Während die Bildungsstätte unter dem Titel »Hingucker« das Thema Widerstand vor allem mit Objekten aus Berlin bestreitet, stellt das Stadtmuseum Arbeiten vor, die überwiegend lokalen Bezug haben und zumeist während der vergangenen Monate im Stadtlabor des Hauses von 60 Beteiligten realisiert wurden.
Überaus treffend titelt das Kinderspiel »Ich sehe was, was Du nicht siehst« den mit mehr als zwei Dutzend Arbeiten bedachten Parcours zu »Rassismus, Widerstand und Empowerment«, die vor allem die Perspektive Betroffener thematisieren. Dazu gehört eine Filminstallation des Künstler*innenkollektivs »Los Ojos« über Alltagsrassismus. Ihr Video »Das Kit« entstand durch einen Stadtrundgang von Mitgliedern des Kollektivs mit einer Bodycam und hält die durch nichts als ihre bloße Präsenz ausgelösten Reaktionen fest.
Schlicht und eindrücklich ist die Vitrine mit den spärlichen Hinterlassenschaften des jungen Afghanen Mathiuallah Jarbakhill. T-Shirts, Rasierzeugs, Zahnbürste, Schulblocks und eine Tüte Gummibärchen gehören zum Inhalt zwei von der Polizei übergebenen blauen Müllsäcken, mit dem das Afghan Refugee Movement das Andenken an den 2018 in Fulda nahe einer Unterkunft für Geflüchtete von der Polizei mit zwölf Schüssen getöteten jungen Mann zu wahren versucht.
Eine Frage wie »Woher kommst du?« scheint auf kommunikativer Neugierde und Teilnahme zu beruhen. Sie gehört hier allerdings zu den Mikroaggressionen des Alltags. Wie das? Wer sie oder Fragen wie »Wo kommen deine Eltern her«, »Was bedeutet dein Name« täglich erfahren muss, wird sie als Mikroversion des Rassismus erleben und Signal seiner Nichtzugehörigkeit erleben.
Auch die Kolonialgeschichte Frankfurts ist ein großes Thema, und wird mit Fotografien, Postkarten und spektakulär einem Plakat von ausgehenden 19 Jahrhundert dokumentiert, das für eine »Anthropologisch-Zoologische Ausstellung« nicht nur 18 Kamele, 16 Pferde und 8 Fettschwanzschafe« anpreist, sondern auch 25 Männer, Frauen und Kinder aus Deutsch-Südwest. Auf die ehedem deutsche Kolonie geht letztlich auch die Diffamierung des Arbeiterviertels Gallus als Kamerun zurück.
Zu den insgesamt 27 Beiträgen gehört auch eine Collage von Zeitungsausschnitten zum Hanauer Terroranschlag.

gt (Foto: Pediküre, © Chris Buck)

Das Historische Museum Frankfurt bleibt bis 30.11.2020 geschlossen.

Digitaler Zugang: https://historisches-museum-frankfurt.de/de/museumdigital

Bis 28. Februar: Di.–Fr., 10–18 Uhr; Sa./So., 11–19 Uhr
www.historisches-museum-frankfurt.de

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